Bezaubernde Innenhöfe und Geheimgänge in Wien – Teil 2

Dienstag, 20. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Bezaubernde Innenhöfe und Geheimgänge in Wien – Teil 2

Dienstag, 20. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Wenn man mit offenen Augen durch Wien spaziert, entdeckt man immer wieder neue Ecken und Kanten dieser wunderbaren Stadt – selbst, wenn man bereits sein Leben lang hier lebt. Um euch genau dazu zu inspirieren, stellen wir euch ein paar versteckte Innenhöfe und Durchgänge vor, an denen man im Alltag leicht vorbeihastet, ohne sie wahrzunehmen.

von Pia Miller-Aichholz

*Wir wollen euch auch während des zweiten Lockdowns inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Bevor wir euch auf die Entdeckungstour mitnehmen, noch ein Hinweis: Diese Schmuckstücke sind häufig privat, daher erstens nicht immer geöffnet. Und zweitens bitten wir euch, als Gäste Rücksicht auf die dort lebenden oder arbeitenden Menschen zu nehmen.

Altes Rathaus

Wir beginnen unsere Tour beim Alten Rathaus. Vom 14. Jahrhundert bis zur Eröffnung des neuen Rathauses 1883 war es als solches in Betrieb. Heute befinden sich dort unter anderem das Magistrat für den 1. und 8. Bezirk, außerdem das Bezirksmuseum Innere Stadt und das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Das ist auf eine traurige Weise sehr passend, denn die erste Erweiterung des Rathauses erfolgte nach der Wiener Geserah 1420/1421, als alle Juden und Jüdinnen gefangen genommen, teils unter Zwang getauft, teils vertrieben und häufig gefoltert wurden. Mit der Vernichtung der ersten Wiener jüdischen Gemeinde wurden andere neben dem Rathaus befindliche Häuser konfisziert und für die Erweiterung des Amtsgebäudes verwendet. Danach folgten mehrere Um- und Anbauten. Sein heutiges barockes Aussehen erhielt das Alte Rathaus im 18. Jahrhundert. Im Hof befindet sich der damals von Georg Raphael Donner geschaffene Andromedabrunnen, der von einem Balkon mit dicht-verschnökeltem Gitter überdacht wird. Von dort oben verkündete der Stadtrat einst seine Verordnungen.

Wipplingerstraße 6-8, 1010 | Salvatorgasse 7, 1010

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Schottenstift

Das Schottenstift auf der Freyung wurde bereits 1155 gegründet, von irischen Mönchen, die Heinrich II. Jasomirgott aus Regensburg nach Wien holte. Da Irland damals allerdings Neu-Schottland genannt wurde, kam das Kloster zu seinem heutigen Namen. Die beiden Innenhöfe, die die Freyung und die Helferstorferstraße verbinden, sind idyllische Ruheoasen inmitten der stets belebten Innenstadt. Im ersten Hof steht ein Brunnen, der an Heinrich Jasomirgott erinnert. Um den Brunnen herum befindet sich der Gastgarten des Wirtshauses Zattl. Direkt anschließend hat das Café Diglas im Schottenstift seinen Schanigarten. Beide Plätzchen sind in der warmen Jahreszeit gemütliche Rückzugsorte für eine Erfrischung oder einen Café. Aber auch für die kalte Jahreszeit ist das Diglas ein heißer Tipp, denn dort bekommt ihr erstklassige Torten und Kuchen und könnt euch im gemütlich eingerichteten Gastraum etwas aufwärmen. Auch unter dem ersten Hof gibt es etwas zu entdecken: Dort könnt ihr bei Hands Up in die Welt der Gehörlosen eintauchen. Eine Passage führt zum zweiten Hof, in dem der Schotten-Kindergarten einen Spielplatz hat. Unter einem Baum im Zentrum des zweiten Hofs stehen zwei Holzbänke, auf denen ihr euch für ein paar ruhige Minuten niederlassen könnt, bevor ihr euren Stadtspaziergang fortsetzt.

Freyung 6, 1010 | Helferstorferstraße 4, 1010

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Deutschordenshaus

In direkter Nachbarschaft zu dieser zauberhaften Adresse waren wir auch in unserem ersten Teil über Innenhöfe Wiens unterwegs. Zum Hof des Deutschordenshauses gelangt ihr über gleich drei Eingänge. An dieser Stelle befindet sich auch die recht versteckte Deutschordenskirche, deren heutiger Stil übrigens als barocke Neugotik beschrieben wird. Die Niederlassung des Deutschen Ordens befindet sich bereits seit Anfang des 13. Jahrhunderts an dieser Stelle. In jenem Hof, der Singerstraße und Stephansplatz verbindet, findet ihr den romantisch von Efeu überwachsenen Gastgarten des Teehauses und Delikatessengeschäfts Haas & Haas. Überhaupt bieten die beiden Höfe viel fürs Pflanzen-affine Auge. Eine Passage führt euch zum anderen Hof, an dessen einer Seite verglaste Pawlatschen aus dem 17. Jahrhundert erhalten geblieben sind. Zu entdecken gibt es in den zauberhaften Höfen unter anderem zwei in die Wand eingelassene Grabplatten, die Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden wurden, und die Schatzkammer des Deutschen Ordens.

Stephansplatz 4, 1010 | Singerstraße 7, 1010 (zwei Eingänge, einige Schritte voneinander entfernt)

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Alter Dompropsthof

Ein paar Schritte weiter liegt auch schon das nächste Kleinod im ältesten Stadtteil Wiens. In der Singerstraße 22 steht der Alte Domprobsthof. Das ursprünglich an dieser Stelle befindliche Haus, erstmals 1377 urkundlich erwähnt, wurde 1609 durch das heutige Gebäude ersetzt – ein Porträtmedaillon im Hof erinnert an den Bauherrn und damaligen Domprobst Melchior Khlesl. Schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts wohnten an dieser Stelle die Wiener Bischöfe, bis etwa ein Jahrhundert später das Erzbischöfliche Palais am Stephansplatz bezogen wurde. Besonders im Vergleich mit dem erzbischöflichen Palais wirkt dieser idyllische Hof sehr unscheinbar. Er bezaubert auf schlichte Weise. Ihr findet hier übrigens den Eingang zur Putzerei Gottschalk, deren Haupteingang auf der anderen Seite, am Franziskanerplatz liegt.

Singerstraße 22, 1010

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Palais Rottal

In der Singerstraße wird’s echt nicht fad. Schräg gegenüber des Alten Domprobsthofs liegt das Palais Rottal, in dem sich heute die Volksanwaltschaft befindet – zumindest zum Teil. Der Name geht auf die Grafen Rottal zurück, deren Palais sich an der Ecke Singerstraße/Grünangergasse befand. Der heutige Bau setzt sich allerdings aus mehreren Häusern zusammen, die 1750 verbunden wurden, darunter eben auch das Palais. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde noch ein Stockwerk aufgesetzt und es wurden an der neuen Attika Figuren aus dem Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse angebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bau ein weiteres Mal erweitert. Wenn ihr den Portier nett bittet, dürft ihr einen Blick in die prächtige barocke Einfahrt sowie den prunkvollen Stiegenaufgang mit seinem Kronleuchter und in den halbovalen Hof werfen.

Singerstraße 17-19, 1010

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Himmelpfortgasse 22

Eine kleine und feine Entdeckung macht ihr in der Himmelpfortgasse Nummer 15. Dort steht im Hof eines Hauses ein alter Fiaker. Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Karl Abraham Wetzlar Freiherr von Plankenstern erworben, der damals als reichster Mann Wiens galt. Bis auf den Fiaker und Pawlatschen gibt es hier nicht viel zu sehen, aber ein Blick in den Hof ist definitiv ein nettes historisches Schmankerl auf einem gemütlichen Stadtspaziergang.

Himmelpfortgasse 15, 1010

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Heiligenkreuzerhof

Der Heiligenkreuzerhof ist schon wesentlich repräsentativer. Ihn betretet ihr entweder von der Sackgasse Grashofgasse oder von der Zeitreise-tauglichen Schönlaterngasse aus. Durch diese beiden Eingänge kann der Heiligenkreuzerhof als Durchhaus bezeichnet werden. In dem Häuserkomplex befinden sich Wohnungen – die beiden Zinshäuser, die zum Ensemble gehören, sind die ältesten Wiens –, die Werkstatt eines Geigenbauers, welche hervorragend zum Ambiente passt, das Restaurant Buxbaum mit seinem üppig begrünten Gastgarten und die Bernardikapelle. Der Hof gehört, wie der Name schon vermuten lässt, dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz, und zwar seit Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Fundamente können sogar bis in das frühe 12. Jahrhundert datiert werden, sein heutiges Gesicht erhielt der Hof allerdings im späten 18. Jahrhundert. Berühmte Bewohner waren während der Zweiten Türkenbelagerung Graf Leopold Karl Kollonitsch, später der Dichter Ignaz Franz Castelli, außerdem der Journalist Eduard Pötzl und zuletzt der Schauspieler Helmut Qualtinger, an den eine Gedenktafel erinnert. Besonders wenn in der warmen Jahreszeit die Rosen in den Beeten blühen und man sich auf eine Erfrischung im Gastgarten des Buxbaum niederlassen kann, ist ein Abstecher in den Heiligenkreuzerhof ein Must-do, aber auch sonst immer eine gute Idee.

Grashofgasse 3, 1010 | Schönlaterngasse 5, 1010

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Börse für landwirtschaftliche Produkte

Nun geht es noch über den Donaukanal, hinein in die Leopoldstadt. Dort steht relativ am Anfang der Taborstraße das Gebäude der Börse für landwirtschaftliche Produkte. Durch ein eisernes Tor kann man über eine Passage zur parallel gelegenen und derzeit wegen ihres Namens öffentlich diskutierten Großen Mohrengasse gelangen. Das Durchhaus wird mittlerweile hauptsächlich als Hintereingang und für Parkplätze genützt, ist aber ein netter Geheimgang zwischen den beiden Straßen.

Taborstraße 10, 1020 | Große Mohrengasse 8, 1020

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things

Wir hoffen, ihr genießt diese versteckten Ecken und Winkel Wiens. Vielleicht interessieren euch ja auch Wiener Geheimplätze, an denen ihr wahrscheinlich noch nicht wart. Für euren Herbst in Österreich inspiriert euch unsere Herbst-dahoam-Seite.

(c) Beitragsbild | Pia Miller-Aichholz | 1000things (Blick in einen Hof des Deutschordenshauses)

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