6 Musikvideos, die man mit gewissen Phobien besser nicht sieht

Freitag, 9. November 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

6 Musikvideos, die man mit gewissen Phobien besser nicht sieht

Freitag, 9. November 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Genau genommen beschreibt das Wort Phobie eine Angst vor etwas, die so extrem ist, dass sie das alltägliche Leben erheblich erschwert. Bestimmte Phobien sind eine offizielle medizinische Diagnose und finden sich in der Internationalen Klassifikation für Krankheiten der WHO. Heutzutage wird der Ausdruck Phobie inflationär auch dafür verwendet, eine starke Abneigung gegen etwas zu benennen. Beide Gruppen fürchten oder ekeln sich vor etwas stark. In Musikvideos wird durchaus gerne mit Elementen gespielt, die dem einen oder anderen Betrachter Unbehagen bereiten. Und nein, damit sind jetzt nicht vorrangig die hundert twerkenden Bubblebutts im x-ten Hip-Hop-Clip gemeint.

von Pia Miller-Aichholz

Arachnophobie: Angst vor Spinnentieren

Musikvideo: you should see me in a crown von Billie Eilish

Billie Eilish ist nur 16 Jahre alt. Das muss man mal vorab sagen. In ihren melancholischen bis düsteren Songs bannt sie Gefühle in Worte, die man von einer 60-jährigen Dichterin erwarten würde. Man kann sich vorstellen, dass sie von hormongeladenen Teenagern in der Schule als „Weirdo“ bezeichnet würde, ohne dass es sie stört. Nein, sie spielt bewusst mit diesem Image und will gar nicht dazugehören. Sie ist anders und das ist cool. Ihr Musikvideo zu you should see me in a crown ist ein treffendes Beispiel dafür. Welche 16-Jährige lässt sich schon Spinnen auf den ganzen Körper setzen? Das Witzige: Ihre Videos sind immer recht simpel und oft etwas schräg, aber sehr ästhetisch – man kann sich gar nicht losreißen. Die zwei vertikalen Videos, die für Spotify produziert wurden, reiten außerdem genau auf der Trendwelle, dass Jugendliche heute primär auf mobilen Geräten im Internet unterwegs sind. Juhu, Spinnen ganz groß auf dem Screen.

Coulrophobie: Angst vor Clowns

Musikvideo: Lavender (Nightfall Remix) von BADBADNOTGOOD ft. Kaytranada & Snoop Dogg

Die Liebe zum Detail in diesem Video macht es höchst sehenswert, aber für jene, die Clowns weniger sympathisch finden, umso schwerer anzusehen. Das Video beginnt in einem suburbanen Einfamilienhaus, das von einer Clownfamilie bewohnt wird. Vieles ist gepunktet, alles quietschbunt und jede Szene gespickt mit Clownreferenzen. Sogar das Model auf dem Playboy-Cover hat hat Clown-Schminke im Gesicht. In dem Video finden sich viele Referenzen zur Popkultur und auch zu politischen Themen der vergangenen zwei Jahre. Spätestens bei Minute 1:55 hat das jeder verstanden. Da wird zu einer Rede des Clowns Ronald Klump ins Clown House geschaltet. Dieses Musikvideo schaut man am besten mehrfach an, um die vielen Details in den einzelnen Szenen zu entdecken – dann entfaltet sich die ganze Ironie. Das macht echt Spaß – außer man fürchtet sich vor Clowns. Fun fact: Jokers Herzblatt Harley Quinn hat einen Gast-Auftritt.

Enochlophobie: Angst davor, in Menschenmengen zu sein

Musikvideo: Drive von R.E.M.

Die Burschen von R.E.M. haben mit ihrem Video zur Selbstverwirklichungshymne Drive sicher nicht das Ziel verfolgt, Menschen mit Angst vor Menschenmengen zu gruseln. Für diese muss Stagediving ein Albtraum sein. Für das Musikvideo zu Drive warf sich John Michael Stipe, der Sänger der Gruppe, in die Menge seiner Fans. Das gesamte Video über beobachtet man, wie er über ihr gierig ausgestreckten Hände rollt, und die anderen Bandmitglieder umgeben von feiernden, springenden Menschen musizieren. Blitzende Lichter und auf die Musiker gerichtete Lichtkegel verstärken die Kontraste des schwarz-weißen Videos und machen das Video hypnotisch. Mit all den Händen, die Stipes entgegengestreckt sind, könnte der Clip locker als Szene eines Zombie-Films herhalten, in dem sich ein Rockmusiker nichts ahnend von seinen bereits infizierten Fans auf den Händen tragen lässt, während die schon wahnsinnigen Kohldampf haben.

Gymnophobie: Angst vor eigener oder fremder Nacktheit

Musikvideo: Bicycle Race von Queen

Queen haben mit ihren ausgefallenen, genialen und häufig perfekt inszenierten Musikvideos immer wieder öffentliche Diskussionen befeuert (siehe das Meisterwerk I Want To Break Free). Die Texte zu Queens Musik wirken aufs erste Hören simpel und konfus. Die dazugehörigen Videos sind das Gegenteil. Die haben eine kristallglasklare gesellschaftspolitische und rebellische Botschaft. Für ihren Song Bicycle Race ließen Queen 65 nackte Models im Wimbledon Greyhound Stadium ein Radrennen fahren. Heute schmunzeln wir amüsiert, wenn eine Gruppe nackter Radler an uns vorbei zieht. Ende der 70er hat dieses Video ordentlich für Furore gesorgt. Es wurde in vielen Ländern nur in bearbeiteter Version gezeigt oder sogar verboten. Als der Inhaber des Radverleihs erfuhr, wofür seine Räder verwendet wurden, forderte er angeblich, dass Queen alle Sattel kaufte. 30 Jahre später hätte er übers Internet viel Geld damit machen können. Dieses Musikvideo ist eines, das man sich nicht unbedingt mit den Großeltern anschauen würde. Und alleine auch dann nicht, wenn einem fremde Nacktheit unangenehm ist.

So ziemlich jede Phobie

Musikvideo: I Fink You Freeky von Die Antwoord

Oh ja, we fink you freeky too! Die südafrikanische Alternativ-Hip-Hop-Gruppe Die Antwoord ist immer mit kreativen, witzigen, aber auch irre unheimlichen Musikvideos am Start. I Fink You Freeky ist nur ein Beispiel für ihre Clips, die gruseln, schocken und zeitweise ekeln. Clowns, insektenartige Aliens, schräge Puppen, Kakerlaken, Ratten, Menschen mit Dämonenaugen haben alle Gastauftritte in den aufwändig gestalteten Videos – und ein paar Promis wie Cara Delevingne und Marilyn Manson. Nicht nur die Ausstattung, sondern auch der gesellschaftspolitische Hintergrund machen die kleinen Filmchen und die Musik interessant. Die Antwoord sind Teil der Zef-Subkultur, die in Südafrika nach der Apartheid unter den ärmeren Weißen entstand. Sie sind zwar arm, aber sie tunen ihre simplen Autos (wie damals zum Beispiel den Ford Zephyr, daher der Name Zef-Kultur) und tragen allerlei Blingbling – vielleicht kann man das als Trash-Glam bezeichnen. Fazit: Die Antwoords Videos faszinieren, aber wer sich leicht schreckt oder ekelt, schaut sie besser nicht im Vollbild-Modus.

Falls ihr diesen Artikel auch aus musikalischem Interesse gelesen habt, ist vielleicht unsere aktuelle 1000things-November-Playlist etwas für euch. Wien bietet auch sonst einige Möglichkeiten, günstig tolle Musik zu genießen.

Beitragsbild: © Sergio Alejandro Ortiz | Unsplash

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