Skurrile Straßennamen Wien

Skurrile Straßennamen in Wien

Samstag, 10. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Skurrile Straßennamen in Wien

Samstag, 10. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Der goldene Herbst lädt gerade in Wien zum Herumschlendern und Entdecken ein. Nach welchen lustigen und bizarren Straßennamen ihr dabei unbedingt Ausschau halten müsst, haben wir hier für euch zusammengefasst.

von Magdalena Mösenlechner

*Die Corona-Krise hat uns nach wie vor fest im Griff. Wir bemühen uns, unsere Artikel möglichst aktuell und unsere Tipps Covid-konform zu halten. Da sich die Maßnahmen aber laufend ändern, zählen wir ebenso stark auf eure Eigenverantwortung und Solidarität. Tragt eure Masken und haltet Abstand, damit wir diese Krise möglichst schnell überwinden und danach wieder umso ausgelassener zusammen feiern können.

Ein Spaziergang durch unsere schöne Hauptstadt ist an sich schon ein Highlight. Es zahlt sich dabei aber auch definitiv aus, einen Blick auf die Straßennamen zu werfen. Denn selten finden sich so lyrische, aber auch lustige Wegbezeichnungen wie in Wien. Vom schnöden Pech bis hin zu einer kleinen Reise ins All haben die Wiener Straßennamen so einiges zu bieten.

Bier, Gold und Unglück

Geld wächst leider nicht auf Bäumen, Bier hingegen schon. Zumindest könnte man das bei der Namensgebung der Bierbaumgasse im 21. Bezirk vermuten. Wir sind jedenfalls schon eifrig auf der Suche nach einem Gewächs, das unsere Hopfengelüste stillen kann. Wer dem flüssigen Gold lieber Bares vorzieht, kann aber auch in den 22. Bezirk weiterziehen. Denn dort wartet die Goldregengasse auf euch. Vorsicht ist jenen geboten, die durch den 12. wandern, hier wird leider keiner zur Goldmarie. In der Pechegasse haltet ihr lieber Ausschau nach schwarzen Katzen und zerbrochenen Spiegeln.

So ist das nun einmal mit dem Leben – manchmal geht’s halt einfach schief. Wie etwa bei Philipp Schlucker, ein Maurer, der vor etwa 200 Jahren lebte. Er erbaute die Mauer um den Lainzer Tiergarten und verrechnete sich ordentlich beim Kostenvoranschlag. Von da kommt auch die Redewendung des armen Schluckers, und außerdem die Schluckergasse im 13. Bezirk.

Blut und Verderben

Unser schönes Wien wartet aber mit noch viel mehr Orten auf, die namentlich etwas gefährlich klingen. Als wäre die Zahl 13 an sich nicht schon unbeliebt genug, könnt ihr im 13. Bezirk auch noch durch die Schlägergasse spazieren. Ähnlich einladend klingt die Schimmelgasse im 3. Bezirk. Aber wir dürfen euch an dieser Stelle beruhigen: Dort herrscht kein Reinlichkeitsproblem. Stattdessen wurde die Gasse benannt nach einem recht unspektakulären Hausschild. Ein Gasthaus ziert hier nämlich der Hinweis „Zum Schimmel“ und dreht sich eher um die Pferde Fellfarbe als um das unliebsame Gewächs, das sich nach Wochen des Vergessens auf unseren Joghurtbechern tummelt. Tatsächliche Gefahren lauerten früher jedoch in der Kugelfanggasse, denn dort stand ehemals eine Militärschießstätte mit einem 100 Meter langen Kugeldamm.

Auch nicht ganz ohne ist etwa die Hirnbrecherstiege im 19. Bezirk. Nomen est omen, diese Stiege hat ihren bildlichen Namen tatsächlich verdient. Sie befindet sich in einer schmalen, dunklen Gasse und hat ordentliches Stolperpotenzial wegen ihrer steilen Neigung. Bildliche Namen scheinen in Wien sehr beliebt, das merkt man auch an einer schmalen Straße im 10. Bezirk, die den nahmen Enge Lucken trägt. Etwas blutrünstiger kommt dagegen der 1. Bezirk daher, wo ihr durch die Blutgasse wandern könnt. Einer Sage nach wurden hier vor rund 700 Jahren Templer erschlagen, und das vergossene Blut trug hier zur Benennung der Gasse bei. Um diese Gasse ranken sich allerdings so einige Mythen. Eine andere Theorie, wie sie zu ihrem Namen kam, stellt die Geschichte mit der Blutgräfin dar. Elisabeth Báthory, eine ungarische Gräfin, die Anfang des 17. Jahrhunderts lebte, soll einige Zeit in diesem Grätzl gewohnt haben. Ihr wird nachgesagt, Zeit ihres Lebens über 600 junge Mädchen zu Tode gequält zu haben, um anschließend in ihrem Blut zu baden. Aber genug der Schauergeschichten, lasst uns fröhlichere Straßen Wiens erkunden.

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Wien greift nach den Sternen

Bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter! Im 14. Bezirk hat man sich bei der Namensgebung definitiv an Buzz Lightyear orientiert – oder wohl eher an seinen analogen Vorfahren. Mondweg, Marsweg, Neptunweg, Saturnweg, Oriongasse und viele mehr findet ihr in Hütteldorf im Planetenviertel. Eine Reise ins All ist in Wien also nur eine Fahrt mit der U4 entfernt. Warum sich ausgerechnet in Hütteldorf so viele Planeten tummeln, weiß man nicht genau. In Straßennamen umgemodelt wurden sie jedenfalls 1923 durch den zuständigen Gemeinderatsausschuss.Der Siriusweg ist hier zwar ebenfalls nach einem Stern benannt, taugt aber auch für Harry Potter Fans als passabler Selfie-Hintergrund, denn Winkelgasse hat Wien leider keine zu bieten.

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Sex, Drugs and Straßennamen

Wir sind nicht stolz darauf, aber müssen dennoch zugeben, dass uns hin und wieder beim Spazieren über die Julius-Fickert-Stiege in Floridsdorf ein leicht pubertäres Grunzen entfährt. Ähnlich geht es uns auch bei der Fickertgasse, der Lusthausstraße, der Hanfgasse und der Haschgasse. Wer uns deshalb für unreif hält, darf gern in die Jungferngasse ziehen. Ätsch.

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Berühmt und berüchtigt

Nicht alle Wiener Straßennamen sind das, was sie scheinen. Gerade mit hiesiger Polit-Prominenz kann man da gerne mal etwas verwechseln. Wie zum Beispiel bei der Strachegasse im 11. Bezirk, benannt nach Hugo Strache, einem Gastechniker, der im 20. Jahrhundert lebte. Auch die Kurzgasse und die Blümelgasse haben nichts mit der aktuellen Politik zu schaffen und tragen ihren Namen schon viele Jahrzehnte lang.

„In Wien musst erst sterben, dass sie dich hochleben lassen.“ Ganz nach Falcos Motto scheint es auch tatsächlich zuzugehen, zumindest was Straßen und Wege angeht. Denn nur fünf Jahre nach seinem Tod wurde die Falcostiege in Margareten zu einem seiner Gedenkorte, und einige Zeit später auch die Falcogasse im 22. Bezirk. „Olles leiwaund“ heißt es auch nur zwei Jahre nach Georg Danzers Ableben im 20. Bezirk. Ihm zu Ehren könnt ihr seit 2009 über den Georg-Danzer-Steg wandern. Ehre scheint ohnehin ein Thema in Wien zu sein, wie ihr etwa an der Habe-die-Ehre-Gasse erkennen könnt.

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#aufstehn

Zum Abschluss wollen wir noch kurz ein ernstes Thema anschneiden: Wenn Straßennamen veraltete Stereotype reproduzieren, finden wir das alles andere als lustig. Ein Beispiel sind hier etwa die Kleine und Große Mohrengasse im 2. Bezirk. Derzeit läuft eine Petition, die die Umbenennung dieser Straßen fordert. Im Zuge der Petition von Re-Define Racism findet ihr auch viele Vorschläge, wie die Straßen stattdessen bald heißen könnten. Straßennamen sind immerhin nicht in Stein gemeißelt, und das ist gut so.

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Wenn ihr euch noch etwas mehr Wien-Liebe wünscht, dann schaut euch doch an, warum die U6 nicht so schlimm ist wie ihr Ruf. Falls ihr noch Inspiration für schöne Unternehmungen im Herbst sucht, dann seid ihr auf unserer Herbst-Dahoam-Seite sehr gut aufgehoben.

(c) Beitragsbild | Alex Beer | Instagram

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