Wien Pride

Wo Wien das ganze Jahr über Pride zeigt

Samstag, 15. Juni 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Wo Wien das ganze Jahr über Pride zeigt

Samstag, 15. Juni 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die Regenbogenparade fällt 2020 Corona-bedingt leider aus. Doch nicht nur im Juni sollten wir für Vielfalt und die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft einstehen. Deshalb haben wir uns angesehen, wo Wien sich dauerhaft zur Regenbogenflagge bekennt.

von Viktoria Klimpfinger

UPDATE: Juni 2020

Der Juni steht dieses Jahr wieder ganz unterm Regenbogen. Doch steht der Regenbogen der Pride nicht etwa dafür, dass auf Regen immer wieder Sonnenschein folgt oder dass an seinem Ende vielleicht ein Goldtopf wartet. Nein, gerade die friedliche Koexistenz seiner unterschiedlichen Farben macht vor, was im Alltag leicht verloren geht: ein Leben und leben Lassen im Sinne eines farbenfrohen Miteinanders. Weil das nicht nur im Juni, sondern permanent ziemlich leiwand wäre, haben wir uns angesehen, wo Wien ganzjährig Farbe(n) bekennt.

Bunter Fußgängerübergang

Eines der prominentesten Beispiele ist der bunte Zebrastreifen, der Rathausplatz und Burgtheater seit 2019 miteinander verbindet und die Straße auch über die Pride hinaus zieren wird. Bunte Farben auf dem Boden – dass das alleine schon ausgereicht hat, um in den ersten Tagen bei einigen Aggressionen in diversen Foren und Kommentarspalten zu schüren, ist bestes Argument dafür, den Zebrastreifen dauerhaft so zu belassen. So erinnert er immer wieder daran, dass Differenzen nicht nur spalten, sondern auch einen können. Mittlerweile gibt es etwa auch in Währing auf Höhe des Kutschkermarktes einen weiteren.

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U-Bahn-Schlaufen in Regenbogenfarben

Dass die Wiener Linien solidarisch mit der LGBTIQ-Community stehen, zeigen sie dieses Jahr unter dem Motto „#weridewithpride“ und lassen einige Straßenbahnen unter der Regenbogenflagge fahren. Ausgerechnet in der U6, über deren Ambiente man besonders im Sommer gerne mal spöttelt, findet sich der Regenbogen das ganze Jahr über: Manche Waggons sind seit Herbst des vergangenen Jahres nämlich mit Halteschlaufen in den Regenbogenfarben ausgestattet. Stadträtin Ulli Sima hält die Begründung dafür zwar etwas allgemeiner: „Wir bringen mit dieser Aktion ein wenig mehr Farbe in den Öffi-Alltag.“ Aber wer „Regenbogen“ sagt, muss irgendwann auch „Pride“ sagen.

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Stütze für die Gesellschaft und die Lendenwirbeln

Im Wiener Prater setzt Wien ebenfalls ein Zeichen für Weltoffenheit und Vielfalt. Die ersten beiden Regenbogenbänke stehen seit Mai 2019 am Riesenradplatz. Und auch im 4., 6., 10. und 11. Bezirk sollen weitere farbenfrohe Sitzgelegenheiten so manchen Weg dekorieren. So profitiert nicht nur die Gesellschaft von der Vielfalt, sondern auch die müden Beine.

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Verliebte Ampeln

Auch die Ampelpärchen haben sich dauerhaft in Wien niedergelassen. Im Rahmen des Life Balls, des Eurovision Song Contests und der Regenbogenparade zogen 2015 auf manchen Ampeln gleich- und verschiedengeschlechtliche Paaren ein – als rot und grün leuchtende Warnlichter für die Gleichberechtigung. Mittlerweile sind die Händchen haltenden Turteltauben des Straßenverkehrs sogar so beliebt, dass sie ihren eigenen Merchandise haben.

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Villa kunterbunt

Ein farbenfrohes und starkes Zeichen setzt auch die Türkis Rosa Lila Villa auf der Linken Wienzeile. Und das längst nicht nur mit ihrer bunten Fassade. Denn die Villa entstand 1982, als Aktivistinnen und Aktivisten das Haus besetzten und „Rosa Lila Villa – Erstes Wiener Lesben- und Schwulenhaus“ nannten. Lange Verhandlungen und eine Generalsanierung später ist das Haus seit 1985 Beratungszentrum und Treffpunkt. Das ursprüngliche Aktivismusprojekt von und für Lesben und Schwule wurde schnell zum Hotspot der LGBTIQ-Community generell. Von Beratungsgruppen über Sprachkursen bis hin zu Queer Yoga ist das Angebot so vielfältig wie wichtig. Damit ist die Villa hier stellvertretend für die vielen Anlaufstellen und Orte für die LGBTIQ-Community genannt.

Lange ersehntes Denkmal im Resselpark

So farbenfroh die Pride-Bewegung ist, so dunkel ist die Geschichte der Gewalt gegen und der Verfolgung von Angehörigen der LGBTIQ-Community. Im Resselpark in Wien soll in den kommenden Jahren ein Denkmal für Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit realisiert werden – ein historisches Mahnmal gegen das Vergessen. Wie es aussehen wird, entscheidet ein Wettbewerb bis Ende Juni 2020. Ein ähnliches Mahnmal sollte bereits 2006 am Morzinplatz in der Innenstadt realisiert werden. Hans Kupelwieser gewann mit dem Projekt „Rosa Platz“ den Wettbewerb und wollte ein 20 mal 20 Meter großes Becken, gefüllt mit rosa gefärbtem Wasser, aufstellen. Da man aber keine Farbe finden konnte, mit der das Projekt klappen würde, musste man es schließlich absagen. Danach organisierte die „Kunst im Öffentlichen Raum GmbH“ immer wieder temporäre Mahnmale.

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Denn die Bekenntnis zu Vielfalt und Gleichberechtigung aller geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen ist also alles andere als bloße Image-Frage und exaltierte Plattitüde. Auch wenn eine Bank in Regenbogen-Look oder eine Ampel mit gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen angesichts der Lage in vielen Ländern wie ein Mikrotropfen auf den glühend heißen Stein wirken mögen – manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns Tag für Tag daran erinnern, worum es bei den großen Dingen eigentlich geht.

Jetzt habt ihr Lust, selbst nach Herzenslust die Pride zu feiern? Das geht auch 2020, wenn auch eingeschränkt. Auch wenn die Regenbogenparade Corona-bedingt nicht stattfinden kann, feiern wir am 13. Juni zumindest vom Fenster aus die Vielfalt. Außerdem waren wir beim Queer Dance im Gemeindebau – immer wieder einen Besuch wert!

(c) Beitragsbild | Mercedes Mehling | Unsplash

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