10er Marie

Endstation: Ottakring

Mittwoch, 12. Juli 2017 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Endstation: Ottakring

Mittwoch, 12. Juli 2017 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

1000things geht auf Entdeckungsreise bei den Endstationen. Dieses Mal schauten wir auf die U-Bahn Karte und es zog uns spontan mit der U3 nach Ottakring. Auf was für feine Ecken und Lokale wir dort gestoßen sind, verraten wir euch am Blog.

von Luisa Lutter

Der 16.Bezirk lockt die meisten nur in die Ecke des Yppenplatz. Viele Cafés, buntes Markttreiben und lässige Leute. Aber öfters über den Tellerrand schauen, tut nicht nur dem Auge gut, sondern überrascht  auch geschmacklich. In diesem Falle heißt das: bis zur Endstation der U3 fahren und sich auf neue Gegenden einlassen. Genau das haben wir von 1000things gemacht und sind so auf wundervolle Heurigen gestoßen und haben nebenbei eine neue Gegend erkundet. Viel Freude beim Lesen und selber Ausprobieren.

Kaum das wir bei der Endstation Ottakring aussteigen, sind wir schon mittendrin, im vielfältigen Markttreiben. Der 16er Markt wartet mit Bioprodukten, frischem Obst und einem vernünftigem Käse und Wurst Angebot auf.  Nur zu gerne würden wir direkt einige Dinge einkaufen, doch wir haben ja noch einen Spaziergang vor uns und entscheiden uns gegen schweres Taschen tragen. Allerdings kosten wir dann doch an einem Stand von den Oliven, ganz ohne geht einfach nicht. Die Preise sind völlig in Ordnung und die Atmosphäre herrlich relaxt. Selbst die Menschen, die es offenbar eilig haben zur Bahn zu kommen, verlangsamen ihr Tempo im Marktgebiet ein wenig. Die Stände stehen übrigens dienstags bis freitags vor Ort.

Weiter geht es bei uns über die Thaliastraße in Richtung Ottakringer Straße. Wir sind im Schlendermodus, die Sonne lacht und wir sind tiefenentspannt. Wir kommen an der Brauereischänke „Schwarzer Rabe“ (Ottakringer Str. 180, 1160) vorbei. Urig und gemütlich geht es dort zu. Allerlei Fassbiere und diverse Whiskeysorten werden angepriesen. Zudem gibt es auch regelmäßige Whiskeyverkostungen. Wer lieber etwas Richtiges zwischen den Zähnen hat, bekommt hier Wiener – und auch eine ausgewogene, leichte Küche. Geöffnet ist montags bis freitags zwischen 16 bis 1 Uhr und am Wochenende bereits ab 11 Uhr. Leider haben wir noch keinen Hunger und entscheiden weiter auf Erkundungstour zu gehen. Und sogleich zieht auch auch eine bunte Blumenwiese unsere Blicke auf sich. Es handelt sich hierbei um das Blumenhaus Ottakring. Wir beschnuppern das Angebot ausgiebig und bevor es weiter geht, kaufe ich meiner Begleitung noch eine Blume.

Wir bleiben auf der Ottakringer Straße und gleich hinter dem U-Bahnbogen auf der Weinheimergasse gelangen wir durch Zufall in einen sehr seltsames Geschäft. Der Funder hat sich offenbar auf Korbwaren spezialisiert. Betritt man allerdings den unauffälligen Laden, liegt zwar viel Ware herum, doch unterscheidet sich diese kaum von der Auslage. Neugierig schaue ich auf die Preise und bekomme Schnappatmung. Für eine Art Regenständer (nicht aus Korbgeflecht) soll man stolze 258€ zahlen – Staub inklusive. Gern hätte ich mich mit der Verkäuferin unterhalten und mehr zur Geschichte dieses kuriosen Ladens erfahren, doch es sitzt nur eine abwesend in die Gegend starrende Dame, in einem großen Sessel, neben der Kassa. Trotz mehrmaligem, freundlichen Grüßen, bekomme ich keine Antwort und wir verlassen letzten Endes etwas irritiert das Geschäft.

Unser Weg führt uns weiter zur Katholischen Kirche Altottakring. Man kann zwar in diese hinein gehen, allerdings steht man dann unmittelbar im Inneren vor einem großen Gitter, welches nur zu Messen seine Pforten aufsperrt. Die Ruhe in der Kirche stellt einen starken Kontrast zu dem kleine Vorplatz dar, welcher belebt ist. Jugendliche sitzen auf der Treppe zur Kirche und quatschen, Kinder spritzen mit Wasser aus dem Brunnen herum, eine ältere Dame füttert Tauben. Ein bisschen Vorstadt-Idyll kommt auf.

Das Gefühl nicht in Wien, sondern irgendwo in den Weinbergen vor den Toren Wiens zu sein, wird noch verstärkt, als wir die 10er Marie entdecken. Das Haus steht unter Denkmalschutz, besteht seit 1740 und ist somit der älteste heurigen Wiens. Seit 1993 ist er im Besitz von der Familie Fuhrgassl-Huber. Hier wird Heurigentradition groß geschrieben.  Man kann sich gar nicht entscheiden, wo man eigentlich genau sitzen möchte, da alle Plätzchen so lauschig sind. Hat man allerdings nicht reserviert, wird einem die Entscheidung eh abgenommen und man wird platziert, wo noch etwas frei ist. Wir hatten Glück und haben in dem schönen Gang mit Weinranken an der Wand einen Tisch bekommen. Die Getränkekarte, die der außerordentlich aufmerksame Kellner eilig bringt,  ist übersichtlich und preiswert. Zum klassischen Spritzer nehmen wir noch die Kräuterlimonade, die absolut empfehlenswert und erfrischend ist. Das Essen wählt man am Buffet. Hier stehen zahlreiche Köstlichkeiten zur Verfügung und besonders das breite Beilagenangebot lässt einen länger als gewünscht grübeln. Tipp von 1000things: Unbedingt einen der Gemüseaufläufe probieren, diese sind eine Spezialität des Hauses. Zurück an seinem Platzl kann man dann richtig auf den Genuss kommen. In traumhafter Atmosphäre vergisst man den Alltag und vertieft sich stundenlang in Gespräche.

Wir haben uns besonders in die Abendsonne in der 10er Marie verliebt. Da kommt die gelbe Hausfassade nochmal richtig zum Leuchten und mit all dem Pflanzen an den Seiten, fühlt man sich wie im Urlaub.
Ottakringer Str. 222-224, 1160

Schweren Herzens reißen wir uns von dem Heurigen los…nur um direkt im Nächsten zu landen. Der Heurigen Stippert ist gleich nebenan. Nicht ganz so auffällig, aber dennoch liebevoll hergerichtet und der Spritzer schmeckt mir persönlich hier sogar noch ein klein wenig besser. Er kostet zudem auch nur unschlagbare 2€. Man kann unter einen üppigen Weinpergola sitzen oder in einer der vielen Sitznischen.

Auch hier gibt es ein Buffett und man bezahlt je nach dem was und wie viel man auf dem Teller hat. Die Kellner machen gern den ein oder anderen Schmäh und sind dabei sehr herzlich. Wir haben uns aus Neugier im Haupthaus umgesehen und wurden sogleich aufgefordert sämtliche Innenräume zu besichtigen.
Ottakringer Str. 225, 1160

Bevor uns der Wein zu Kopfe steigt, spazieren wir lieber weiter und kommen so wieder auf die Thaliastraße. Läuft man diese in Richtung Bahnhof zurück, kommt man an einem schönen Spielplatz vorbei. Der Stillfriedplatz wartet mit viel Grün auf und ist ein Treffpunkt für jüngere Anwohner.

Eine Straßenecke weiter, in der Enenkelstraße, stolpern wir in einen typischen Tante Emma Laden mit einem riesengroßen, bunten Angebot. Von bedruckten Toilettenpapier bis hin zur originellen Teekanne gibt es hier wirklich alles und man muss aufpassen nicht in den Urlaubsmodus zu switchen und gar Mitbringsel einzukaufen.

Von totalem Überfluss aufs Wesentliche reduziert: Geht man noch ein Stück weiter, in Richtung des Bahnhofs Ottakring, entdeckt man eventuell in der Huttengasse die Eventgastronomie „Dinner in the dark“. Mit 87€ leider kein so preiswerter kulinarischer Abend, dafür aber sicherlich ein unvergesslicher. Man diniert bei einem Vier-Gänge-Menü in kompletter Dunkelheit. Im Restaurant kümmern sich blinde Kellner um euer Wohl und entführen euch so auf völlig neue Art in ihre Welt. Nach dem Essen besteht die Möglichkeit, auf der Tanzfläche mit der Begleitung, ein Tänzchen zu wagen.

Wir begeben uns wieder auf die Thaliastraße und überlegen kurz, ob wir noch schnell einen Ausflug zu den Steinhofgründen und zur Villa Aurora ranhängen. Entscheiden uns allerdings dagegen. Doch falls ihr zufällig in Ottakring seid, möchten wir euch dieses Ausflugsziel, auch wen es nicht in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ist und auch nicht mehr zum 16. Bezirk, sondern zum 14. gehört, nicht vorenthalten. Folgt man der Thaliastraße (zu Fuß oder mit dem Bus) mündet diese in die Johann-Staud-Straße und bringt euch direkt zu dem naturbelassenen Erholungsgebiet.

Zurück am Bahnhof komme ich dann doch noch dazu Gemüse für das Abendessen einzukaufen, eher die Stände abgebaut werden.  Ihr dürft raten, was es – inspiriert von der 10er Marie- wohl zu essen geben wird.

Ihr wollt noch mehr  von anderen Endstationen lesen? Dann gelangt ihr hier z.B. zur zentralsten Endstation Wiens.

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