Ganz schön sexy: 5 frivole Geschichten aus Wien

Donnerstag, 15. April 2021 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ganz schön sexy: 5 frivole Geschichten aus Wien

Donnerstag, 15. April 2021 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Huch, warum ist es plötzlich so heiß hier? Haltet eure Fächer bereit und übt schon mal euren echauffierten Gesichtsausdruck – jetzt wird’s schlüpfrig.

von Rafael Prehsler

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Dirnen, Orgasmen, Sexstellungen, steinerne Geschlechtsteile und Kutschensex – wenn es Wien an einem nicht mangelt, dann an Schlüpfrigkeiten. Wir verabschieden uns von Prüderie und Etikette und enthüllen in fünf Geschichten die unkeuschen Seiten der Donaumetropole.

Hedys Orgasmus

Die gebürtige Wienerin Hedy Lamarr war alles andere als eine gewöhnliche Frau. 1933, als in halb Europa die Faschisten aufmarschieren und sie selbst noch keine 20 Jahre alt ist, spielt Lamarr in dem Streifen Extase den ersten Orgasmus der Filmgeschichte: Ihr Gesicht ist dabei in Großaufnahme zu sehen, das Publikum ist fassungslos. Eine derart offensichtliche Manifestation weiblicher Sexualität auf der Leinwand ist komplettes Neuland für die Menschen der 30er-Jahre.

Das weiß auch der superreiche Waffenhändler Fritz Mandl, den die Schauspielerin wenig später heiratet. Wie ein Besessener versucht er, sämtliche Kopien von Extase aufzukaufen und die schöne Lamarr so den lüsternen Blicken der Öffentlichkeit zu entziehen. Natürlich scheitert er – Mandls verzweifeltes Unterfangen macht den Film sogar noch berühmter. Lamarr verlässt Mandl schließlich und zieht in die Vereinigten Staaten, wo ihr ihr Ruf bereits vorausgeeilt ist. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Aufführung von Extase sogar verboten. In ihrer neuen Heimat zeigt die Wienerin abermals, wie weit sie ihrer Zeit voraus ist und bricht mit den klassischen Rollenbildern. Die technisch begabte Provokateurin meldet 1941 ein Patent für eine störsichere Funksteuerung für Torpedos an.

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Bambi versus Mutzenbacher

Was haben Generationen an traurigen Kindern und verzweifelten Eltern gejammert, als sie zusehen mussten, wie das kleine Rehkitz Bambi seine Mutter verlor. Die literarische Vorlage für den Disney-Film lieferte 1923 Felix Salten mit seinem Klassiker Bambi – eine Lebensgeschichte aus dem Walde. 17 Jahre zuvor, 1906, hatte sich Salten als Autor jedoch angeblich von einer ganz anderen Seite gezeigt.

Denn das Werk Josefine Mutzenbacher – die Lebensgeschichte einer Wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt, das zwar anonym veröffentlicht wurde, man aber gemeinhin Saltens Feder zuschreibt, ist alles andere als ein Kinderbuch. Unverblümt wird darin der Alltag der Prostituierten Mutzenbacher, pfeift auf gesellschaftliche Konventionen und schildert plakativ allzu Schlüpfriges. Dazwischen gibt es auch ein bisschen Statistik: „Wenn man bedenkt, dass das Jahr 365 Tage hat, und wenn man nur, gering gerechnet, den Tag mit drei Männern einschätzt, so macht das an die elfhundert Männer im Jahr, macht in drei Jahrzehnten wohl dreiunddreißigtausend Männer. Es ist eine Armee.“

Wie eine Bombe entfesselter Wollust schlagen die Memoiren der Mutzenbacher mitten in der prüden Wiener Gesellschaft ein. Was für ein Angriff auf den Anstand! Salten geht daher lieber auf Nummer sicher und hält sich bedeckt – Zeit seines Lebens wird er sich nie als Autor dieses Kultbuchs der erotischen Literatur outen. Den Spitznamen „Rehsodomit“ für den Bambi-und-höchstwahrscheinlich-Mutzenbacher-Autoren wurde er allerdings zu Lebzeiten nicht mehr los.

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Wiener Auster

Die „Wiener Auster“ ist eine Sexpraktik, die im Grunde einer etwas raffinierteren Missionarsstellung entspricht. Erforderlich ist dabei ein gewisses Maß an Flexibilität, denn die Frau liegt auf dem Rücken und sollte ihre Beine hinter dem Kopf des Mannes verschränken. Das Ergebnis ist eine klassische Win-win-Situation, da die Stellung in der Regel für eine erhöhte G-Punkt-Stimulierung und zugleich für verstärkten Druck auf den Penis sorgt.

Als Initiator der ausgefallenen Namensgebung gilt der Wiener Maler Johann Nepomuk Geiger, der 1840 ein die „Wiener Auster“ praktizierendes Pärchen in einem Bild festhielt. Die Darstellung war damals natürlich ein riesiger Skandal und sorgte für reichlich Klatsch und Tratsch. Zugleich wirkte die Abbildung aber offenbar ausgesprochen inspirierend, denn binnen kürzester Zeit wurde die „Wiener Auster“ zur bevorzugten Stellung der Wiener Bordellgänger.

Porzellanfuhre

Im 18. Jahrhundert, als Casanova in ganz Europa sein Unwesen trieb, ging es auch in Wien ganz schön wild zu: Wenn man bei einem Kutscher eine „Porzellanfuhre“ orderte, verwandelte sich der Fiaker auf unbestimmte Zeit in ein fahrendes Stundenhotel. Ohne bestimmtes Ziel bewegte sich das Gefährt im Schneckentempo fort, gerade so, als müsste kostbarstes Porzellan transportiert werden. Die meisten Fiaker hatten nichts dagegen einzuwenden, denn für die prickelnde Fahrt kassierten sie reichlich ab.

1822 kam es zu einem pikanten Missverständnis, als ein Beamter mit seiner Gattin eine Kutsche bestieg und den Fiaker anwies, zur k.k. Porzellanfabrik zu fahren. Das Ehepaar zeigte sich verdutzt, da man kaum vom Fleck kam und das Ziel erst nach einer nicht enden wollenden Fahrt erreicht wurde. Von vielen Wiener Taxifahrer*innen soll das Codewort „Porzellanfuhre“ übrigens noch heute verstanden werden.

St. Stephan, ein Phallus und eine Vulva

Man sieht sie kaum und doch sind sie da: ein Penis und eine Vulva, mitten auf der Westfassade des altehrwürdigen katholischen Stephansdoms. Die kleinen Plastiken befinden sich genau in der Achse der Heidentürme am Ende von zwei schmalen Doppelsäulen, die das Hauptportal flankieren – links vom Eingang lässt sich ein angedeuteter Phallus, rechts eine Vulva mit Schambehaarung erkennen.

Die beiden Geschlechtsteile sind wohl das größte Mysterium der an Geheimnissen nicht armen Domkirche. Da es keine schriftlichen Überlieferungen über ihre Bedeutung und den Zweck ihrer Platzierung an so prominenter Stelle gibt, können nur Mutmaßungen angestellt werden. Eine Theorie besagt, dass es sich um Spolien, also um wiederverwendete altertümliche Überreste handelt. Ihre Anbringung an der Kirche würde dann womöglich den Sieg des Christentums über das als hemmungslos lüstern dargestellte Heidentum der Antike beziehungsweise den Sexualtrieb im Allgemeinen bedeuten. Beweise dafür gibt es allerdings nicht und so bleibt es jedem*jeder selbst überlassen, was er*sie in den rätselhaften Plastiken sehen will.

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Darf’s noch ein bisserl mehr Kurioses Wien-Wissen sein? Wir verraten euch den skurrilen Ursprung einiger Wiener Wörter. Außerdem stellen wir euch außergewöhnliche Erfindungen made in Austria vor.

(c) Beitragsbild | (c) Randy fath | Unsplash

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