Gerüche: Würste

10 Gerüche, die typisch für Wien sind

Montag, 29. Januar 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

10 Gerüche, die typisch für Wien sind

Montag, 29. Januar 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wie herrlich ist es, wenn der Kellner mit dem frisch gebackenen Schnitzel durch’s Wirthaus rauscht? Es muss nicht mal das eigene sein – schon der Geruch allein zaubert uns Herzchen in die Augen. Vielleicht geht die Liebe also weniger durch den Magen als vielmehr durch die Nase? Wir haben für euch zehn typische Gerüche gesammelt, mit denen ihr eure Liebe zu Wien auf eine harte Probe stellen könnt.

von Viktoria Klimpfinger

Jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Körpergeruch, sagt man. Wenn das stimmt, hat Wien fast zwei Millionen verschiedene Düfte im Repertoire. Sie alle mit der Nase zu erschnüffeln, wäre unmöglich – und wahrscheinlich strafbar. Zum Glück hat Wien aber auch abseits seiner Bewohner seine ganz eigene Geruchspalette im Angebot – zwischen famosem Duft und grindigem Gestank, wie es sich für eine Großstadt eben gehört.

Die Fiaker

Jeder Mainstream-Tourist kriegt glasige Augen, wenn plötzlich mitten in der Stadt die herausgeputzten Fiaker vorbeizuckeln. Auch dem einen oder anderen Einheimischen treiben sie das Wasser in die Pupille – oder vielmehr ihr Geruch. Wer findet, dass Großstadt und Stallgeruch nicht zueinander passen, der wird an Fiakerstellplätzen neben dem Stephansdom oder am Michaelerplatz bestätigt. Es ist schon irgendwie skurril, dass man sich hier neben Autolärm und Touri-Trubel wie bei Wendy im Stall fühlt, sobald man durch die Nase atmet.

Gerüche: Fiaker

CC0 Creative Commons

Die Mannerschnitten

Etwas weiter draußen geht es geruchstechnisch etwas weniger rustikal zu, aber genauso klischeebelanden. Wer sich schon einmal in der Nähe der Wilhelminenstraße 6 in Hernals herumgetrieben hat, dem wackelt jetzt sicher die Nase. Wenn die Manner-Manufaktur ihre Maschinen anwirft, dünstet sie ein typisches Odeur-Gemisch aus Waffeln und gerösteter Schokolade aus. Gnadenlos für appetit-technisch leicht Beeinflussbare.

Das 16er-Blech

Weiter südlich tritt dem Schoko-Geruch eine andere Duftmarke entgegen. Die olfaktorische Mischgulanz vor der Wiener Ottakringer Brauerei ist vermutlich weltweit einzigartig. Zum Glück? Das kann jeder selbst entscheiden. Für die einen ist der herbe Hefegeruch in Kombination mit Schoki-Flavour Kopfwehmittel pur, für die anderen riecht’s hier nach Zuhause.

Die Melange

Wer „Wien“ sagt, muss nach Fiaker, Bier und Manner zwangsweise irgendwann auch „Kaffee“ sagen. Immerhin ist die berühmte Wiener Kaffeehauskultur das Schlagwort schlechthin, will man mit nobler Lässigkeit die Mini-Flashbacks aus dem Deutsch-Unterricht unters Volk bringen. 2009 haben Forscherinnen allerdings herausgefunden, dass die Luft der Wiener Kaffeehäuser erstaunlich wenig Kaffee-Moleküle aufweist, dafür hängen zu viel Rauch und Putzmittel in der Luft. Die zunehmend rigorose Nichtraucher-Regelung würde aber wahrscheinlich nach einer Revision verlangen. Wer echten Kaffee-Röst-Geruch inhalieren will, der kann gleich in der Nähe der Ottakringer Brauerei bleiben. Denn dort gesellt sich oft auch das Röstaroma der Meinl-Rösterei in der Julius-Mein-Gasse 3-7 zum Duft-Potpourri. Für mehr Abwechslung könnte man auch in den 21. Bezirk, nach Strebersdorf fahren, zur Rösterei Naber. Die Brise, die sich dort alle 15 Minuten entfaltet, ist zwar auch nicht unbedingt die intensivste Kaffeedröhnung, aber dafür unverfälscht durch Küche, Putzmittel und – selten aber doch noch – Rauch.

Die Tschick

Das bringt uns auch gleich zur nächsten typischen Wiener Duftmarke – dem Qualm. Wobei Rauchen ohnehin ein universal-österreichisches Thema ist. Lange schon ist es nicht mehr nur Privatvergnügen mancher, nein, es ist etwas Politisches. Das beweist zumindest die ständig hitzige „Kommt-es-oder-kommt-es-nicht“-Debatte rund ums generelle Rauchverbot. Viele Institutionen wie das Café Hawelka sind zwar schon seit einigen Jahren rauchfrei, aber wem die Nase trotzdem nach einem kräftigen Schwall Nikotin steht, der braucht den Kopf nur ins Beisel ums Eck stecken.

Check! #rauchverbot #smoking #office #breaktherules

A post shared by Paul Hornoff (@zischalski) on

Die noblen Damen

Gehobener geht es natürlich in Wiens Theater- und Opernhäusern zu – kein Rauch, und auch Biergeruch wäre hier fehl am Platz. Betritt man beispielsweise die Eingangshalle des Burgtheaters an einem gut besuchten Abend, tänzelt ein ganz anderer Duft um die Nasenspitze. Da ist einerseits das Parfüm reiferer Damen, das in der Luft hängt. Dazu kommt im Winter der Geruch ihrer Pelzmäntel, die sie nur zu besonderen Anlässen ausführen, und schließlich andererseits eine Prise Haarlack für den letzten Schliff.

Das Würstelfett

Egal ob nach dem Theater oder am Ende einer durchzechten Beisel-Tour – am Würstelstand kommen alle zusammen. Er ist gewissermaßen klassenlos, dafür aber umso geruchsintensiver. Untertags zwickt den einen oder die andere der penetrante Fettgeruch des Würstelgrills vielleicht in die Schleimhäute, aber mitten in der Nacht, nach fünf Bieren, schaffen die wenigsten den Weg daran vorbei, ohne sich nicht zumindest ein Hotdog für die Nightline zu organisieren.

Die Nightline

Sie sind die Epizentren des nächtlichen Geruchsspektakels: die Wiener Nachtbusse, wo man die Alkoholfahne hisst und Fast-Food-Aromen mit kaltem Rauchgeruch um die Wette „feun“. Kaum ein Wiener Odeur erweckt in einem so sehr das Bedürfnis nach der Embryonalstellung im sicheren Zuhause wie das Potpourri an Bar-Überbleibseln am Ende der Nacht.

Die U1

Aber auch tagsüber gibt’s bei den Wiener Linien da und dort was auf die Nase. Besonders in der U1-Station Stephansplatz, wo man auch vermuten könnte, dass die eine oder andere Sauftour ein unglückliches Ende nahm. Aber es ist kein erstaunlich hartnäckiger Mageninhalt, der hier so „miachtelt“, sondern es handelt sich um eine chemische Reaktion: Das beim U-Bahn-Bau verwendete Wasserglas reagiert mit den Bodenmaterialien zu einer schwefelhaltigen Substanz. Hinter den Tunnelwänden hängt der Schwefelgeruch fest und ist damit bleibendes Wahrzeichen der Wiener Linien.

Der Donaukanal

Im wahrsten Sinne des Wortes gechillter geht es am Donaukanal zu. Nicht nur der konstante Geruch nach Schmutzwasser steigt hier in die Nase, sondern ab und zu auch etwas Herberes, meistens ausgehend von einer Gruppe zufrieden grinsender Hipster. Zwar wird in Wien sicher nicht nur hier am Dübel gezogen, aber gerade im Sommer ist der Donaukanal auch außerhalb des Flex-Radius’ ein Spot für Freiheitsliebende, Hippies und Chiller aller Art.

Donaukanal in Wien

A post shared by Christoph (@chr1sen) on

Wenn ihr Lust auf noch mehr Wiener Düfte habt und sie selbst inhalieren wollt, dann ist mit Sicherheit die „Smells Like Wien Spirit“-Tour von Eugene Quinn über space and place etwas für euch. Der Veteran unter den Städteguides führt euch am 13. April 2018 das nächste Mal durch Wiens Geruchswelt. Wer sich vorab schon mal einstimmen will, kann in ersten Erfahrungsberichten von orf.at oder VICE stöbern.

Wie ihr bis dahin die Zeit in Wien gut rumbringt, erfahrt ihr am Blog.

Titelbild (c) The Digital Marketing Collaboration

×
×
×
Blogheim.at Logo