So reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck

Freitag, 30. November 2018 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

So reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck

Freitag, 30. November 2018 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Österreich lebt auf großem Fuß. Zumindest wenn es um den ökologischen Fußabdruck geht. Mit der Höhe des Ressourcenverbrauchs steht Österreich an 19. Stelle von 150 Ländern. Deshalb haben wir uns ein paar alltagstaugliche Tricks überlegt, mit denen wir unseren Fußabdruck um ein paar Schuhgrößen verringern können.

von Viktoria Klimpfinger & Lukas Lindmeier & Luisa Lutter & Pia Miller-Aichholz

Manche Fußstapfen zu füllen ist wirklich schwer. Und manche sollte man vielleicht gar nicht ausfüllen, sondern bewusst so gut es geht verwischen. Wie zum Beispiel die, die wir Mutter Erde aufs Aug’ drücken. Unser ökologischer Fußabdruck zeigt, wie nachhaltig oder verschwenderisch wir leben und wie sehr wir den Planeten mit unserem Lebensstil strapazieren. „Er errechnet den Verbrauch der Ressource Land, der notwendig ist, um eine bestimmte Art von Lebensstil und Lebensstandard aufrecht zu halten“, schreibt das Forum für Umweltbildung. Darunter fallen Flächen, die zur Produktion von Kleidung, Nahrung und Energie gebraucht werden, aber auch zur Müllentsorgung oder zur Umwandlung von Kohlenstoffdioxid.

Jeder von uns hat so einen Fußabdruck, nur ist er verschieden groß. In einem Fußabdrucksrechner vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus kann man sogar ausrechnen, wie groß. Der durchschnittliche Österreicher beansprucht laut der Plattform Footprint etwa fünf Hektar für sich. Damit liegt der Ressourcenverbrauch der Alpenrepublik leider im tragischen Spitzenfeld und belegt Platz 19 von 150 Ländern. Wären die Ressourcen gleichmäßig verteilt, hätte jeder von uns nämlich nur 1,8 Hektar zur Verfügung. Um in Zukunft ein paar ökologische Schuhgrößen zurückzuschrauben, haben wir uns ein paar nachhaltige Tipps und Tricks überlegt, die auch im Alltag gut anwendbar sind.

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Sich auf Autoreisen wirklich alle Kosten teilen

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er viel erzählen. Und meist kann – oder vielmehr muss – dieser gewisse „er“ bei Autoreisen auch einen relativ hohen Preis bezahlen. Und das sind nicht immer nur die Spritkosten, vielmehr ist die Größe des ökologischen Fußabdrucks langfristig der größte Kostenfaktor für uns alle. Beide Kosten verringert die Onlineplattform BlaBlaCar, indem sie Reisewillige, welche mit einem Auto ausgestattet sind und Menschen, die eine Mitfahrgelegenheit suchen, zusammenbringen. So sparen beide nicht nur Geld, sondern teilen sich auch die Kosten, die die Umwelt zu tragen hat. Die Mitglieder von BlaBlaCar sparen so mittlerweile mehr als 1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, indem sie sich zum Autofahren zusammentun. Und dabei werden auch die Spritkosten geteilt – denn die Fahrer erhalten eine angemessene Fahrtkostenbeteiligung der Mitfahrer und können dadurch 75% Ihrer Fahrtkosten einsparen. So kommen alle nicht nur sparsam, sondern auch umweltschonend an ihr Ziel. Hier erfahrt ihr mehr darüber, wie auch ihr mit BlaBlaCar Geld sparen und euren ökologischen Fußabdruck verkleinern könnt.

Ökologischer Fußabdruck

(c) BlaBlaCar

Nachfüllen statt wegwerfen

Einige österreichische dm-Filialen wenden sich vom Plastik ab, und zwar mit Abfüllstationen für Waschmittel. Man kauft einmalig die Behälter und bringt diese zum Befüllen für Biowaschmittel und Geschirrspülmittel beim nächsten dm-Besuch wieder mit. Das Schleppen nimmt einem zwar keiner ab, aber dafür spart sich man reichlich Plastikmüll. Denn mal ehrlich: Jeder hat sich doch schon mal geärgert, dass die großen, sperrigen Plastikverpackungen des Waschmittels den ganzen Mistkübel einnehmen, oder?

Auch Spar hat eine tolle Möglichkeit entwickelt, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und den Verpackungsmüll zu reduzieren. In drei steirischen Filialen wird derzeit das Verpacken von Wurst, Käse und Fleisch in selbst mitgebrachten Boxen getestet. Die strengen Hygienevorschriften werden durch spezielle Tabletts eingehalten. Diese stellen sicher, dass die Boxen nicht mit der Waage oder dem Besteck der Theke in Berührung kommen.

Ökologischer Fußabdruck

Die Abfüllstation bei dm. (c) Luisa Lutter / 1000things Redaktion

Jutebeutel statt Plastiksackerl

Ähnliches wäre auch für die Sackerl-Fraktion wünschenswert: Einweg-Plastiksackerln raus, Papiersäckchen oder wiederverwendbare Beutel rein! Es könnte so einfach sein. Viele Händler haben das leider immer noch nicht umgesetzt. Und leider sind die Zeiten noch immer nicht vorbei, in denen sich Kunden, die sich das Geld für größere Einkaufssäcke sparen wollen, den gesamten Einkauf in mehrere dieser dünnen Obst- und Gemüsesackerln füllen. Zwar hat die EU Ende Oktober beschlossen, dass sie ein Verbot für Einwegplastik auf den Weg bringen will, aber bis es soweit ist, wird es wohl noch etwas dauern. Bis dahin ist Eigeninitiative gefragt. Je mehr Menschen die Einweg-Sackerln ablehnen, desto eher wird ein Signal an die Unternehmen gesendet. Es ist ganz leicht, beim Einkaufen ein paar Baumwoll-Taschen mehr mitzubringen, um Obst und Gemüse hineinzufüllen. Das Waagen-Pickerl klebt man einfach außen auf die Tasche. SPAR führt bereits wiederverwendbare Obst- und Gemüse-Beutel. Und für spontane Einkäufe steckt man am besten einfach immer eine kleine faltbare Tasche ein, wenn man das Haus verlässt.

Heizen mit Köpfchen

Viele fragen sich oft, wie sie selber positiv etwas zur Verringerung des ökologischen Fußabdruckes beitragen können. Dabei bringt schon jedes Grad etwas in der Energiebilanz. Das bedeutet im Klartext: Den Pullover anziehen, anstatt im Winter mit T-Shirt und Shorts durch die Wohnung zu rennen und die Heizung einfach mal ein Grad runter drehen. Es müssen keine konstanten 26 Grad in unserer Wohnung vorherrschen. Durch die Wärme werden wir träge, das Denken fällt schwerer und nachts schläft es sich zudem eh besser bei gerade mal 16 Grad.

Im selben Atemzug ist daher auch ein sinnvolles Lüften zu erwähnen. Das Fenster gekippt zu haben, mag für den Moment zwar praktisch sein, doch ist es besser, einmal richitg stoßzulüften. Dabei wird verbrauchte Luft schneller mit frischer ausgetauscht und die Räume kühlen dabei nicht so schnell aus. Das wiederum schont den Geldbeutel. Denn wenn die Räume erst wieder hochgeheizt werden müssen, steigen auch die Heizkosten. Der Energieverbrauch lässt sich übrigens auch verringern, indem man das Wasser für die Nudeln und den Tee im Wasserkocher erhitzt anstatt auf dem Herd.

LED’s shine!

Nicht nur bei der Wärme, auch beim Licht lässt sich einiges an Energie sparen: Ein voll ausgeleuchteter Raum ist nicht nur ungemütlich, sondern im Alltag auch vollkommen überflüssig und verpulvert unnötig Energie. Dasselbe gilt für Licht, das man brennen lässt, wenn man einen Raum oder sogar die Wohnung verlässt. Licht bewusst einzusetzen, spart nicht nur Energie, sondern auch Geld. Und ja, LED-Lampen verbrauchen zwar weniger Energie als herkömmliche Glühbirnen oder gar Halogen-Lampen, aber auch Kleinvieh macht Mist. Und besonders in den sonnenreichen Monaten reicht die Helligkeit des Tageslichts oft schon aus. Wenn ihr also nächstes Mal am Schreibtisch sitzt, schaltet am besten die Deckenleuchte aus und knipst die Schreibtischlampe an.

 

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Ladekabel vom Strom nehmen

Zugegeben, es ist komfortabel, das Ladekabel einfach in der Steckdose stecken zu lassen. Man weiß immer, wo man es gelassen hat, und kann mit einem gewohnten Handgriff den Ladeprozess starten. Aber auch wenn kein Endgerät daran hängt, wird Strom verbraucht. Wenn man sich vorstellt, dass pro Person ein bis zwei Handyladekabel und ein Notebook-Ladekabel dauernd am Strom hängen, summiert sich der Energieverbrauch gewaltig. Dasselbe gilt für Geräte, die man nicht häufig nützt und dauernd im Standby-Modus hat. Am besten nimmt man also Bildschirme, Waschmaschine, Router und Stereo-Anlage vom Strom, wenn man länger wegfährt oder sie selten verwendet. Und wenn man den Computer nicht unbedingt im Ruhezustand halten muss, schließt man lieber alle Programme und fährt ihn herunter.

Essen aus dem Müll

Neben Plastikmüll und Energieverbrauch ist auch die starke Essensverschwendung ein großes Problem. Rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel landet jährlich auf dem Müll, also 1,3 Milliarden Tonnen. Allein eine Million Tonnen Essen wirft Österreich im Jahr weg. Für Hartgesottene wäre daher vielleicht Dumpstern eine günstige Alternative, um an einwandfreies Essen zu gelangen. Immer mehr Menschen springen auf den Trend auf, das unbeschädigte Essen aus den Mülltonnen großer Supermärkte zu retten. Doch einem sollte man sich bewusst sein, bevor man Hals über Kopf in die nächste Mülltonne taucht: Strenggenommen ist der Müll noch Eigentum des jeweiligen Ladens.

Wer diese rechtliche Grauzone nicht überschreiten will, kann auch anders Lebensmittel vor dem sinnlosen Vergammeln retten. Die eigenen zum Beispiel. Durchschnittlich 157.000 Tonnen angebrochenes und original verpacktes Essen werfen österreichische Haushalte jährlich in den Müll. Dabei könnte man sie stattdessen einfach weitergeben an die, die sie sich im Supermarkt vielleicht nicht leisten könnten. Wie? Über sogenannte Fairteiler und öffentliche Kühlschränke. Dort kann jeder übrig gebliebenes oder aus der Mülltonne vom Supermarkt gerettetes Essen hinbringen und jeder kann sich gleichsam daraus bedienen. Wo ihr die Fairteiler in ganz Österreich findet und ob sie womöglich bestimmte Öffnungszeiten haben, verrät euch die Website www.foodsharing.at.

Containern Wien

Eine Ausbeute von einer Containertaucherin, die wir begleitet haben. (c) Viktoria Klimpfinger / 1000things Redaktion

Go Vintage!

Nicht nur Essen lässt sich problemlos teilen, auch Kleidung! Second-Hand-Shops und Vintage-Märkte sind längst nicht nur für die Überhipster unter uns eine Möglichkeit, schicke Stücke für vergleichsmäßig wenig Geld zu erstehen. So manches Teil, das vielleicht von der Designerstange weg ursprünglich teures Geld gekostet hat, hängt hier zu verhältnismäßig günstigen Preisen. Dazu kommt auch, dass solche Teile meist von ziemlich guter Qualität sind. Man kann sie also jahrelang tragen.

Setzt ihr in Sachen Kleidung auf Second Hand, ist das außerdem keine Einbahnstraße. Zum einen wendet ihr euch damit von Preisdumping und fragwürdigen Produktionsbedingungen so mancher Großketten ab. Zum anderen müsst ihr eure ausgemisteten Lieblings- oder nicht in die Tonne treten, sondern könnt sie anderen vermachen. Dazu braucht es, Smartphones sei Dank, nicht einmal mehr einen Tag am Flohmarkt, sondern nur ein paar Minuten am Handy. Diverse Second-Hand-Apps erleichtern das Kleidertauschen und –verkaufen heutzutage erheblich. Die perfekte Gelegenheit, um die Billigkette der textilen Massenproduktion zu zerreißen und sich stattdessen lieber ein hübsches Halskettchen aus zweiter Hand zu checken – persönliche Note inklusive!

Omas Teekanne Graz

Der Grazer Teeladen „Omas Teekanne“ beweist, wie gemütlich Vintage sein kann. (c) Ines Futterknecht

Sharing is Caring

Getreu dem Motto „Sharing is Caring“ können wir also viel erreichen, indem wir nicht permanent neu kaufen und nur an den eigenen Bedarf denken, sondern anfangen zu teilen. Nachbarschaftshilfe kann sich als unschätzbare Geldeinsparungsquelle erweisen und den ökologischen Fußabdruck verringern. Die Industrie will uns weismachen, Konsum ist reizvoll und gut. Doch wie viele Dinge kaufen wir uns, obwohl wir sie nur selten benutzen? Sei es die Bohrmaschine, die hippe Polaroidkamera oder einfach der Fonduetopf für ein Abendessen mit Freunden. Wie praktisch, platzsparend und kostengünstig wäre es, wenn wir uns von nun an mit Freunden und/oder Nachbarn solche Dinge teilen? Die Kommunikation wird dadurch gestärkt, das Miteinander gefördert und wie von selbst die Umwelt ein wenig entlastet.

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Was ebenfalls der Nachhaltigkeit dient, ist Upcycling. Samuel Karl macht mit seinem Label AUSGESPIELT vor, wie das auf hohem Niveau funktioniert. Ihr wollt mehr über den Vintage-Lifestyle wissen? Dann lest euch unser großes Vintage-Interview mit zwei Grazer Macherinnen durch.

Beitragsbild (c) Evie Shaffer / Unsplash

Facebook-Bild (c) Stephan Seeber / Unsplash

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