Silhouette von Paar vor Sonnenuntergang

Single am Valentinstag: Blind Date im Escape Room

Sonntag, 17. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Single am Valentinstag: Blind Date im Escape Room

Sonntag, 17. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Als Single hat man zwei Möglichkeiten, sich proaktiv um einen Partner zu bemühen: Tinder und Blind Dates. Ein Escape Room Veranstalter in Wien versucht sich nun als Vermittler. Unsere Redakteurin ist single, hat keine Lust auf Tinder und hat sich das Valentinstag-Special bei First Escape in der Wiener Innenstadt einmal angesehen.

von Pia Miller-Aichholz

Als ich vom Valentinstag-Event „First Date at First Escape“ höre, finde ich die Idee sehr erfrischend: Blind Date im Escape Room. Wenn du Menschen so richtig kennenlernen willst, hast du zwei Optionen: Entweder du fährst mit ihnen auf Urlaub, oder du lässt dich mit ihnen in einen Raum sperren, aus dem du wieder hinaus kommst, indem du durch Zusammenarbeit Rätsel löst. Oder du spielst mit ihnen Gesellschaftsspiele. Ich beschließe, meinen Valentinstag nicht zu Hause mit meinem Hund zu verbringen, sondern teilzunehmen und einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Ich frage als Testerin für 1000things bei First Escape an und darf kostenlos teilnehmen. Einzige Auflage: Ich muss single und ernsthaft daran interessiert sein, jemanden kennenzulernen – check, check.

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Ich bin seit eineinhalb Jahren single und habe grundsätzlich kein Problem damit. Man hat ja auch andere Dinge zu tun, als sich eine bessere Hälfte, sein Yang zum Yin zu angeln. Aber ich behaupte, jeder Single hat ab und an den Gedanken, dass es „schon irgendwie einmal wieder schön“ wäre eine Romanze zu erleben. Jedenfalls kommt mir der Gedanke ab und an. Tinder habe ich ein halbes Jahr nach meiner Trennung nach reiflicher Überlegung ausprobiert. Für mich war das ein klassisches new and shiny-Erlebnis: Die ersten drei Tage mit der App war spannend und lustig – ich habe auch tatsächlich zwei nette Bekanntschaften gemacht und bin mit einer nach wie vor in Kontakt –, aber seitdem habe ich keine Lust mehr auf swipen, auf die Nachrichten zur Anbahnung und so weiter. Ich weiß, es gibt schon Tinder-Hochzeiten und Tinder-Babys, Tinder-Scheidungen vielleicht bald auch. Ich halte es jedenfalls mit einem wunderschönen 1940er-Klassiker: I’m old fashioned. Lieber lerne ich Menschen face to face kennen, bekomme gleich einen Eindruck von ihrer Ausstrahlung.

Hallo, ich bin single.

First-Escape-Gründer Aris schickt mir einen Fragebogen zu, den alle Teilnehmer nach ihrer Anmeldung ausfüllen und zurückschicken sollen. Die Klassiker Name, Geschlecht, Alter, Telefonnummer, E-Mail-Adresse sind auszufüllen und dann noch ob ich auf der Suche nach einer kurzen Geschichte oder einer längeren Beziehung bin, nach Männlein oder Weiblein und ob ich eine der Quests bei First Escape schon gespielt habe. Mit Foto geht der Bogen per Mail wieder zurück an Aris. Ein paar Tage vor Valentinstag bin ich beim Geburtstag eines Freundes eingeladen und sehe einen Bekannten wieder, der mir erzählt, dass er sich ebenfalls für das Event angemeldet hat.

 

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Zuerst finde ich den Gedanken lustig, aber dann wird mir klar, dass die Dynamik in einer Kleingruppe vollkommen anders ist, wenn sich zwei kennen. Bevor ich Aris gegenüber anmerken kann, dass ich wohl besser nicht in dieselbe Gruppe komme, wie mein Bekannter, flattert die Einteilung in mein elektronisches Postfach: Ich bin im zweiten von drei Slots dran, im Escape Room „Hotel 13“ um 20:30 Uhr. Zwei Gedanken: „Juhu, Gruselhotel!“ und „Vielleicht sind wir ohnehin nicht in derselben Gruppe.“ Nervös bin ich im Vorfeld überhaupt nicht. Dann stehe ich am Valentinstag am Kopf der Stiege, die von der Himmelpfortgasse aus in die Backsteingewölbe von First Escape führt. Am Geländer der Stiege sind rote Luftballons und durchsichtige, mit roten metallisch-glitzernden Herzen gefüllte Luftballons festgemacht. Von der Decke hängen ein paar Herzgirlanden. Ich Kitsch-Tante bin die Letzte, die das stört. Ich blicke die Stiege hinunter, sehe unten noch niemanden, vernehme aber das Stimmengewirr einer größeren Gruppe. Kurz bekomme ich das Gefühl, mit dem Hinabsteigen der Stufen mein Single-Dasein öffentlich zu deklarieren.

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Umdrehen werde ich natürlich nicht – ist ja lächerlich. Aris taucht am Fuß des Abstiegs auf uns begrüßt mich. „Los geht’s“, denke ich mir, und steige die Stufen hinunter. Ich bekomme einen Aufkleber mit meiner Kennzahl für den Abend und platziere ihn auf meiner Brust, knapp unterhalb meines Schlüsselbeins, um mir und allen anderen Teilnehmern unangenehmen Blicksituationen zu ersparen. An allen Wänden, Türen und Kästen kleben Valentinstag-Memes, die mich zum Grinsen bringen. Ich entspanne mich wieder.

Gemeinsamkeit Singledasein

Das First Escape Team hat sich schick gemacht und begrüßt alle Teilnehmer mit einem breiten Lächeln und einem Cosmopolitan. Ich wollte etwas zu früh kommen und bin viel zu früh gekommen, weil ich mir eingebildet habe, mein Slot sei um 20 Uhr, statt um 20:30 Uhr. Das Blind Date im Escape Room hat eine vollkommen heterogene Gruppe Menschen angezogen. Unser aller erste gemeinsame Eigenschaft: Wir sind single und auf der Suche. Fast alle Teilnehmer für die erste Runde um 19:30 Uhr sind da. Mein Bekannter ist auch darunter und ich bin erleichtert, dass ich ihn nicht umständlich und etwas unangenehm berührt bitten muss, er solle so tun, als kenne er mich nicht, oder so.

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Ausnahmslose alle, mit denen ich mit unterhalte, sind freundliche und – zumindest nach etwas Cosmo und Anlaufzeit – offene Menschen. Dann wird die erste Gruppe in die drei Quests geführt – das Hotel 13, das Schloss und die Oper – und ich unterhalte mich mit dem Team, bis die Teilnehmer der zweiten Runde ankommen. In der zweiten Runde ist nur eine Quest – das Hotel 13 – voll belegt. Zwei Mädels haben sich sehr kurzfristig angemeldet, sind vorbeigekommen und hoffen darauf, dass ein paar Teilnehmer der ersten Runde noch einmal spielen wollen. Tatsächlich finden sich genug Spieler, die gegen einen reduzierten Preis vor Ort eine zweite Runde buchen. Das freut auch eine Teilnehmerin meiner Gruppe, der das Hotel 13 zu gruselig wäre. So kann sie stattdessen ins Schloss mitgehen.

Nach einer Einweisung mit do’s (untereinander kommunizieren) und dont’s (Lampen abnehmen und Glühbirnen herausschrauben) führen uns die Mitarbeiter zu den Quests. Nach der Quest teilt Aris Match-Karten aus, auf die wir unsere eigene Kennzahl schreiben können und die der Person, die uns gefallen hat – oder gleich die Nummer mehrerer potentieller Matches. Sing wir für unsere potentielles Matches ebenfalls interessant, vermittelt uns First Escape. Mit ein bis zwei Kreuzen geben wir an, ob unsere E-Mail-Adresse oder unsere Telefonnummer an das Match weitergegeben werden darf.

Treffen sich sieben Singles…

Zur Quest möchte ich nur so viel verraten: Eingesperrt waren wir nicht. Die Eingangstür zur Quest bleibt offen und kann jederzeit während des Spiels als Ausgangstür verwendet werden. In jedem Raum sind Kameras angebracht, durch die jeweils ein Mitarbeiter pro Quest die Aufsicht hat. Extra für Valentinstag waren die Abenteuer mit einer Prise Pflicht oder Wahrheit verfeinert. Dazu fanden wir im ersten Raum eine güldene Box voller zusammengefalteter Papierstreifchen. Alle 14 Minuten musste jeder einen Streifen ziehen und eine Aufgabe erfüllen (Sprich die nächsten zehn Minuten so laut, als wärst du taub.) oder eine Frage ehrlich beantworten (Was ist das Peinlichste, das man in deinem Browserverlauf finden würde?). Ein paar Aufgaben waren super leicht (Hüpfe auf einem Bein und singe „Alle meine Entchen“.), ein paar kontraproduktiv für das Spiel (Schweige für die nächsten drei Minuten.), die meisten ganz witzig. Hinweise von der Aufsichtsperson – dem sogenannten operator – verdienten wir uns ebenfalls, indem einer oder eine von uns einen Papierschnipsel aus der Box zog. Unsere Gruppe war mit sieben Personen etwas zu groß – zu viele Köche. Dadurch wurde viel durcheinander geredet und nicht jeder konnte sich aktiv einbringen. Optimal, das hat mir Aris später im Gespräch gesagt, sind vier Personen. Wir haben trotzdem erfolgreich und mit etwas Zeitüberschuss abgeschlossen.

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Spielerisch ist vieles leichter. Das klassische Blind Date stelle ich mir verkrampft vor: Beide sitzen sich gegenüber, wollen über irgendwas reden, aber der Druck ist hoch, man fühlt sich on the spot. Lockerer ist schon ein Spaziergang. Beim Escape Room ist die Situation ungezwungen und das Gesprächs-Thema aufgelegt: Wie kommen wir hier weiter?Besonders viel Spaß macht, dass sich ein Escape Room über mehrere Räume zieht und nicht nur in einem abspielt. Am Ende hat man im schlechtesten Fall einen Escape Room gespielt, im besten Fall ein Date angebahnt – ob per Match-Karte oder persönlich. Das ist besser als Tinder. Nächstes Jahr geht First Escape in die nächste Blind Date-Runde.

Meine Kollegin Viki würde sagen: Als Single hast du wenigstens die Badewanne für dich alleine. Wenn Escape Rooms nichts für euch sind, haben wir noch reichlich andere Valentinstags-Ideen für Singles.

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