Silhouette von Paar vor Sonnenuntergang

Single am Valentinstag: Blind Date im Escape Room

Sonntag, 17. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Single am Valentinstag: Blind Date im Escape Room

Sonntag, 17. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Die besten Dates sind ungezwungen. Blind Date klingt stressig. Blind Date im Escape Room schon lockerer. First Escape in der Wiener Innenstadt lädt genau dazu ein – am Valentinstag. Unsere Redakteurin hat vergangenes Jahr mitgemacht.

von Pia Miller-Aichholz

UPDATE: Jänner 2020

Als ich vom Valentinstag-Event „First Date at First Escape“ höre, finde ich die Idee sehr erfrischend: Blind Date im Escape Room. Wenn du Menschen so richtig kennenlernen willst, hast du zwei Optionen: Entweder du fährst mit ihnen auf Urlaub, oder du lässt dich mit ihnen in einen Raum sperren, aus dem du wieder hinaus kommst, indem du durch Zusammenarbeit Rätsel löst. Oder du spielst mit ihnen Gesellschaftsspiele. Ich beschließe, meinen Valentinstag nicht zu Hause mit meinem Hund zu verbringen, sondern teilzunehmen und einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Ich frage als Testerin für 1000things bei First Escape an und darf kostenlos teilnehmen. Einzige Auflage: Ich muss single und ernsthaft daran interessiert sein, jemanden kennenzulernen – check, check.

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Ich bin seit längerer Zeit single und habe grundsätzlich kein Problem damit. Man hat ja auch andere Dinge zu tun, als sich eine bessere Hälfte, sein Yang zum Yin zu angeln. Aber ich behaupte mal, jeder Single hat ab und an den Gedanken, dass es „schon irgendwie einmal wieder schön“ wäre, ein bisschen tiefergehende romantische Zweisamkeit zu erleben. Jedenfalls kommt mir der Gedanke ab und an. Tinder war für mich das ein klassisches New-and-shiny-Erlebnis: Ein paar Tage mit der App war witzig, aber dann hab ich recht schnell die Lust mehr gehabt aufs Swipen und auf die Nachrichten zur Anbahnung, die in den meisten Fällen zu nichts führen. Andere feiern Tinder-Hochzeiten und bekommen Tinder-Babys, haben vielleicht auch bald Tinder-Scheidungen. Ich halte es jedenfalls mit einem wunderschönen 1940er-Klassiker: I’m old fashioned. Lieber lerne ich Menschen face to face kennen, bekomme gleich einen Eindruck von ihrer Ausstrahlung. Zum Beispiel beim Blind Date im Escape Room.

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Hallo, ich bin single.

First-Escape-Gründer Aris schickt mir einen Fragebogen zu, den alle Teilnehmer nach ihrer Anmeldung ausfüllen und zurückschicken sollen. Die Klassiker Name, Geschlecht, Alter, Telefonnummer, E-Mail-Adresse sind auszufüllen und dann noch ob ich auf der Suche nach einer kurzen Geschichte oder einer längeren Beziehung bin, nach Männlein oder Weiblein und ob ich eine der Quests bei First Escape schon gespielt habe. Mit Foto geht der Bogen per Mail wieder zurück an Aris. Ein paar Tage vor Valentinstag bin ich beim Geburtstag eines Freundes eingeladen und sehe einen Bekannten wieder, der mir erzählt, dass er sich ebenfalls für das Event angemeldet hat.

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Zuerst finde ich den Gedanken lustig, aber dann wird mir klar, dass die Dynamik in einer Kleingruppe vollkommen anders ist, wenn sich zwei kennen. Bevor ich Aris gegenüber anmerken kann, dass ich wohl besser nicht in dieselbe Gruppe komme, wie mein Bekannter, flattert die Einteilung in mein elektronisches Postfach: Ich bin im zweiten von drei Timeslots dran, im Escape Room „Hotel 13“. Zwei Gedanken: „Juhu, Gruselhotel!“ und „Vielleicht sind mein Bekannter und ich ohnehin nicht in derselben Gruppe.“ Nervös bin ich in den Tagen vor dem Blind Date nicht. Dann stehe ich am Valentinstag am Kopf der Stiege, die von der Himmelpfortgasse aus in die Ziegelgewölbe von First Escape führt. Am Handlauf der Stiege sind rote Luftballons und durchsichtige, mit roten metallisch-glitzernden Herzen gefüllte Luftballons festgemacht. Von der Decke hängen ein paar Herzgirlanden. Ich Kitsch-Tante bin die Letzte, die das stört. Ich blicke die Stiege hinunter, sehe unten noch niemanden, vernehme aber das Stimmengewirr einer größeren Gruppe. Kurz bekomme ich das Gefühl, gleich mit dem Hinabsteigen der Stufen mein Single-Dasein öffentlich zu deklarieren.

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Umdrehen werde ich natürlich nicht – ist ja lächerlich. Aris taucht am Fuß des Abstiegs auf uns begrüßt mich herzlich. „Los geht’s“, denke ich mir, und steige die Stufen hinunter. Ich bekomme einen Aufkleber mit meiner Kennzahl für den Abend. Um mir und allen anderen Teilnehmenden unangenehme Blicksituationen zu ersparen, gehe ich sicher, dass ich ihn möglichst hoch, direkt unter meinem Schlüsselbein platziere. An allen Wänden, Türen und Kästen kleben Valentinstag-Memes, die mich zum Grinsen bringen und etwas entspannen lassen.

Gemeinsamkeit Singledasein

Das First-Escape-Team hat sich schick gemacht und begrüßt alle Teilnehmenden mit Lächeln und Cosmopolitans. Das Blind Date im Escape Room hat eine vollkommen heterogene Gruppe Menschen angezogen. Nur eine Sache ist allen gemein: Wir sind single und auf der Suche. Erleichtert stelle ich fest, dass mein Bekannter für den ersten Timeslot eingeteilt wurde. Der Kelch, ihn umständlich und etwas unangenehm berührt zu bitten, so zu tun als kenne er mich nicht, geht an mir vorüber.

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Ausnahmslose alle, mit denen ich mit unterhalte, sind freundliche und – zumindest nach etwas Cosmo und Anlaufzeit – offene Menschen. Dann wird die erste Gruppe in die drei Quests geführt – das Hotel 13, das Schloss und die Oper – und ich unterhalte mich mit dem Team, bis die Teilnehmer der zweiten Runde ankommen. In der zweiten Runde ist nur eine Quest – das Hotel 13 – voll belegt. Zwei Mädels haben sich sehr kurzfristig angemeldet, sind vorbeigekommen und hoffen darauf, dass ein paar Teilnehmenden der ersten Runde noch einmal spielen wollen. Tatsächlich finden sich genug Spielende, die gegen einen reduzierten Preis vor Ort eine zweite Runde buchen. Das freut auch eine Teilnehmerin meiner Gruppe, der das Hotel 13 zu gruselig wäre. So kann sie stattdessen ins Schloss mitgehen.

Nach einer Einweisung mit Dos (untereinander kommunizieren) und Dont’s (auf der Suche nach Hinweisen Lampen abnehmen und Glühbirnen herausschrauben) führen uns die Mitarbeiter zu den Quests, die wir jedenfalls ohne einander gleich unsympathisch zu werden meistern. Zum Abschluss teilt Aris Match-Karten aus, auf die wir unsere eigene Kennzahl schreiben können und die der Person, die uns gefallen hat – oder gleich die Nummer mehrerer potentieller Matches. Sind wir für unsere potentielles Matches ebenfalls interessant, vermittelt uns First Escape. Mit ein bis zwei Kreuzen geben wir an, ob unsere E-Mail-Adresse oder unsere Telefonnummer an das Match weitergegeben werden darf.

Treffen sich sieben Singles…

Zur Quest möchte ich nur so viel verraten: Eingesperrt waren wir nicht. Die Eingangstür zur Quest bleibt offen und kann jederzeit während des Spiels als Ausgangstür verwendet werden. In jedem Raum sind Kameras angebracht, durch die jeweils ein Mitarbeiter pro Quest die Aufsicht hat. Extra für Valentinstag waren die Abenteuer mit einer Prise Pflicht oder Wahrheit verfeinert. Dazu fanden wir im ersten Raum eine güldene Box voller zusammengefalteter Papierstreifchen. Alle 14 Minuten musste jeder einen Streifen ziehen und eine Aufgabe erfüllen (Sprich die nächsten zehn Minuten so laut als wärst du taub) oder eine Frage ehrlich beantworten (Was ist das Peinlichste, das man in deinem Browserverlauf finden würde?). Ein paar Aufgaben waren extrem leicht (Hüpfe auf einem Bein und singe „Alle meine Entchen“.), ein paar kontraproduktiv für das Spiel (Schweige für die nächsten drei Minuten.), die meisten ganz witzig. Hinweise von der Aufsichtsperson, dem sogenannten Operator, verdienten wir uns ebenfalls, indem einer oder eine von uns ein Papierstreifchen aus der Box zog und den Anweisungen darauf folgte. Unsere Gruppe war mit sieben Personen etwas zu groß – zu viele Köche. Dadurch wurde viel durcheinander geredet und nicht jeder konnte sich aktiv einbringen. Optimal, das hat mir Aris später im Gespräch gesagt, sind vier Personen. Wir haben trotzdem erfolgreich und mit etwas Zeitüberschuss abgeschlossen.

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Spielerisch ist vieles leichter

Das klassische Blind Date stelle ich mir verkrampft vor: Beide sitzen sich gegenüber, wollen über irgendwas reden, aber der Druck ist hoch, man fühlt sich on the spot. Lockerer ist schon ein Spaziergang. Beim Escape Room ist die Situation ungezwungen und das Gesprächs-Thema aufgelegt: Wie kommen wir hier weiter? Besonders viel Spaß macht, dass sich ein Escape Room über mehrere Räume zieht und nicht nur in einem einzigen Zimmer abspielt. Am Ende hat man im schlechtesten Fall einen Escape Room gespielt, im besten Fall ein Date angebahnt – ob per Match-Karte oder persönlich. Das ist besser als Tinder. Kommenden Valentinstag, am 14. Februar, geht das Blind Date im Escape Room in die zweite Runde. Anmeldungen sind bis 7. Februar möglich.

Meine Kollegin Viki würde sagen: Als Single hast du wenigstens die Badewanne für dich alleine. Wenn Escape Rooms nichts für euch sind, haben wir noch reichlich andere Valentinstags-Ideen für Singles.

(c) Beitragsbild | Isaac Cabezas | Unsplash

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