Lebenskrise Mitte 20

Jung, erfolgreich, unglücklich: Die Lebenskrise Mitte 20

Montag, 6. März 2017 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Jung, erfolgreich, unglücklich: Die Lebenskrise Mitte 20

Montag, 6. März 2017 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Bisher war die Lebenskrise stets ein Phänomen der Männer mittleren Alters, die ähnlich wie John Travolta im Film Born to be Wild ihr bisheriges Dasein in Frage stellten, meinten sie hätten ihr gesamtes Leben schon hinter sich und müssten sich nun auf dem Sattel einer Harley neu erfinden. Heutzutage allerdings tritt diese Sinnkrise schon viel früher ein, doch warum sind wir in jungen Jahren so unglücklich?

von Lisa Panzenböck

Ist unsere Messlatte für Zufriedenheit zu hoch, oder warum verfallen so viele Menschen in eine Lebenskrise Mitte 20? Früher hätte es so etwas nicht gegeben. Als meine Eltern in meinem Alter – also Mitte 20 – waren, war bereits das erste Kind auf dem Weg, sie haben zusammen ein Haus gebaut, Geld gespart, sich einen Hund zugelegt und gemeinsam geträumt. Und dann gibt es da mich. Ebenfalls Mitte 20, manchmal verzweifelt auf der Couch sitzend, warum ich denn diesen blöden Keks nicht aus der Prinzenrolle bekomme. Fast zwei abgeschlossene Studien und dennoch unfähig, komplett auf eigenen Beinen zu stehen, da der erste Anruf bei einer nicht funktionierenden Waschmaschine und dergleichen immer noch an Mami geht.

Zukunft, quo vadis?

In vielen Belangen ist man so hilflos, fühlt sich weder glücklick noch kreuzunglücklich; treibt einfach so dahin – und das in sämtlichen Lebensbereichen. Man ist „in seinen besten Jahren“, hat gerade einen Studienabschluss in der Tasche, bei verschiedensten Praktika Erfahrungen gesammelt und wäre bereit für „die richtige Welt“. Eigentlich. In Wahrheit haben wir keine Ahnung, was wir denn nun wollen, wohin wir wollen, wen wir wollen, oder wer wir eigentlich sein möchten und stürzen oftmals blindlings in eine Lebenskrise Mitte 20. Doch warum? Kreieren wir uns aus Langeweile solche Luxusprobleme, weil wir keine echten mehr haben?

Lebenskrise Mitte 20

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Die Unfähigkeit, sich für Dinge zu entscheiden

Wie gesagt, man treibt einfach so dahin, möchte sich nie auf irgendetwas festlegen. Sei es nun eine Antwort auf die schlimmste aller Fragen („Und, was machst du dann nach dem Studium?“), eine Verabredung mit Freunden, einen Urlaub, oder gar eine Beziehung. „Schau ma mal, ich geb spontan Bescheid“ ist die Antwort auf nahezu alles Zwischenmenschliche der Generation Y im 21. Jahrhundert. Man weiß zwar nicht konkret, was man will, dennoch weiß man ganz klar, was man nicht möchte: sich festlegen. Immer jetzt gerade das tun und lassen, worauf man Lust hat. Bei der Party spontan vorbeischauen, sofern sich nichts Besseres ergibt, vielleicht mit ins Kino gehen, falls aus den Partyplänen nichts wird, das G’spusi, welches eigenlich schon längst eine Beziehung ist nicht Beziehung nennen, weil dann kann man ja nicht mehr einfach abhauen, wenn sich etwas Interessanteres ergibt.

All diese Dinge natürlich ohne Rücksicht auf andere, denn wenn uns jemand nicht zu-/ oder absagt, sind wir total verärgert. Wir sind verliebt in den Gedanken, verliebt zu sein und diesen Gedanken jederzeit zu Ende denken zu können – ohne schlechtes Gewissen und bitteres Nachspiel. Wollen nicht verletzt werden von anderen, verhalten uns aber selbst komplett egozentrisch und spazieren wie ein Elefant durchs Glashaus. Wir halten uns stets sämtliche Optionen offen, denn eine Entscheidung bringt Veränderung und was, wenn sich die Dinge zum Schlechten verändern? Wirklich glücklich sind wir allerdings mit unserer Ungebundenheit nicht, denn dadurch, dass man „alles nur so halb macht“ und sich auf nichts mehr wirklich einlässt, geht viel kaputt und auch wenn man es sich womöglich nicht eingestehen möchte, befindet man sich teilweise in einer Lebenskrise Mitte 20.

Lebenskrise Mitte 20

(c) unsplash / gemeinfrei

Die Generation Y und ihre Maßlosigkeit – undankbar oder überfordert?

Warum wählen wir nicht einfach ein Studium, einen Partner, einen Beruf, ein To Do am Wochenende? Ich denke, wir sind überfordert von der Vielzahl der uns gebotenen Möglichkeiten. Man könnte den Beruf X ausüben, vielleicht wäre jedoch Y auch interessant, oder wie wär’s mit einem Job im Ausland? Natürlich spielt ein gewisses Maß an Undankbarkeit hier mit, denn wir sehen all die Optionen mittlerweile oftmals nicht mehr als Segen, sondern als Fluch und geben uns gerade wegen der vielen Chancen mit nichts zufrieden – es geht ja immer mehr, es geht ja immer besser.

Man könnte fast so weit gehen, um zu behaupten, dass wir in dieser Lebenskrise Mitte 20 schlichtweg das Zufriedensein verlernt haben. Wenn man schon so viel Auswahl hat, wieso sollte man sich mit etwas anderem als dem Optimum zufrieden geben?

Alles ist möglich, nichts mehr falsch, denn alles ist bloß Auslegungssache. Doch genau zu wissen, dass zum Beispiel einer Lehre als Schlosser der Beruf Schlosser folgt und nicht 1928103 Optionen zu haben, bietet eine gewisse Sicherheit, die wir uns insgeheim manchmal irgendwie wünschen. Andererseits jedoch ist es genau diese Freiheit, kombiniert mit Unsicherheit, die das Lebensgefühl der jungen Kosmopoliten ausmacht. Wirklich glücklich macht diese an Struktur mangelnde Orientierungslosigkeit meiner Meinung nach nicht, denn im Endeffekt streben wir alle nach Geborgenheit und gewissen Konstanten.

Fazit: Why so serious?

Das sich treiben lassen – mal auf einem Surfbrett auf Bali, mal verloren in unseren eigenen Gedanken – ist bedingt toll, solange wir es nicht zerdenken. Es gibt weder den perfekten Job, noch die makellose Wohnung, oder die ideale Beziehung. Manches Mal ist es doch gerade das Unperfekte, das uns die meiste Freude bereitet. Deshalb lasst uns mutig sein – entscheiden wir uns wieder für Dinge mit ganzem Herzen, lassen uns auf Menschen und echte Gefühle ein, versuchen einfach mal diese Lebenskrise Mitte 20 als Chancenpool zu sehen, aus der man sich gewisse Dinge greift. Sein junges Ich genießen, samt Unsicherheiten, Imperfektionen und erster Lachfältchen.

lebenskrise mitte 20

(c) unsplash / gemeinfrei

Ein Teil davon liegt in kleinen Dingen – hier haben wir Dinge, die als Student in Wien erlebenswert sind und hier gibt’s alles über den Mythos Studentenleben.

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