Auslage mit Sale-Schriftzug

Unser Senf: Warum Black Friday verzichtbar ist

Donnerstag, 22. November 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Unser Senf: Warum Black Friday verzichtbar ist

Donnerstag, 22. November 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal erzählt unsere Redakteurin, warum sie Black Friday gerne auslässt.

von Pia Miller-Aichholz

Ja, okay, wir sind eine Konsumgesellschaft. Ja, okay, wir freuen uns alle einmal über den einen oder anderen Sale. Wer hat schon Kohle ohne Ende? Aber was teils zu Black Friday abgeht, lässt einen einfach nur am gesunden Menschenverstand zweifeln. Kein anderer Tag steht so sehr für übertriebenen Konsum, wie Black Friday. Wer bei übertriebenem Konsum direkt an Weihnachten denkt, liegt nicht ganz so falsch. Black Friday folgt auf das Fest Thanksgiving, das in den USA immer auf den vierten Donnerstag im November fällt. Das ist kein Zufall, denn traditionell läutet Thanksgiving in den USA die Vorweihnachtszeit ein. Black Friday wurde von Wirtschaftstreibenden über die Jahre geschickt zum offiziellen ersten Tag der Weihnachts-Einkäufe hochgepäppelt. Wenn euer Gedankengang jetzt weiter zu eurer Omi führt, die regelmäßig darüber Dampf ablässt, dass die Amis die ganze Zeit „so an Schas“ exportieren: In diesem Fall ist das gar nicht so falsch.

Ein Marketing-Wintermärchen

Bei Black Friday denken manche von euch vielleicht primär an den großen Wallstreet-Crash 1869. In den 1960er Jahren begann die Polizei von Philadelphia außerdem, den Freitag nach Thanksgiving als Black Friday zu bezeichnen, weil die Kombination aus Fenstertag und geöffneten Geschäften zu Menschenmassen in der Stadt und Verkehrschaos führte. Damit in Verbindung gebracht zu werden, kann nicht im Interesse von Unternehmen sein. Sie haben es geschafft, dem Begriff die negative Konnotation zu nehmen. Heute steht Black Friday für schwarze Zahlen in der Jahresbilanz der Unternehmen durch die gigantomanischen Umsätze. Ist ja besser als Weihnachten!

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Wenn Shopping zum Extremsport wird

In den USA werden in Wetterberichten sogar explizit die Bedingungen für die Black-Friday-Shopperei geschildert. Dort campen die Menschen über Nacht vor den Geschäften. In aller Herrgottsfrühe pressen sich die Massen bereits gegen Auslagen und Eingangstüren. Sobald die Türen aufgeschlossen werden, stürmen sie in die Geschäfte und stürzen sich auf die Verkaufstische, wie hungrige Hyänen auf eine Antilope. Dabei sind in den vergangenen Jahren auch Menschen verletzt und sogar getötet worden.

Entweder wurden sie niedergetrampelt oder es kam zu Streitereien, bei denen Messer oder Pistolen gezückt wurden – beispielsweise wegen eines Parkplatzes. Da muss man ja froh sein, wenn einen ein grantiger Wiener lediglich in Grund und Boden schimpft, wenn man ihm die Parklücke beim Wochenend-Einkauf wegschnappt. Besser ein „Du Oasch, heast, geh scheißen, du Wappler, oida!“ entgegengeschleudert bekommen, als ein Wurfmesser. Wer finanziert den Verkäufern und Sicherheitskräften nach Black Friday eigentlich die Therapie für ihre posttraumatische Belastungsstörung?

Seit ein paar Jahren schwappt der Einkaufswahnsinn über den Atlantik zu uns hinüber, wenn auch derzeit primär noch online. Newsletter, die einen darauf aufmerksam machen, dass man jetzt mit besserem Gewissen Geld für den neuesten heißen Scheiß ausgeben kann, trudeln ein. Manche Marken sind sogar dazu übergegangen, Black Weeks auszurufen. In den sozialen Medien machen Influencer täglich den Countdown, als ginge es um die nächste Marsmission. Danke, der Stress wegen des Countdowns zur nächsten Deadline bei der Arbeit oder auf der Uni reicht.

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Burnout gibt’s gratis dazu

Wer dachte, es sei schwierig, sich für vollkommen überlaufene WU- und Juridicum-Kurse anzumelden, hat noch nie Online-Shopping am Black Friday betrieben. Auf Instagram geben Influencer Tipps, wie man ganz sicher seinen Online-Einkaufswagen über die Zielgerade schiebt, bevor alles weg ist – was ungefähr fünf Sekunden nachdem die Deals online gegangen sind, der Fall ist. Am besten soll man sich einen Alarm am Handy einstellen, um den Sale-Startschuss ja nicht zu verpassen. Aber eigentlich ist es dann schon zu spät, denn man kommt niemals rechtzeitig zum Checkout.

Unsere besten Internet-Freunde geben uns deshalb den guten Rat, schon vorab die Zahlungsmethode zu hinterlegen, den Warenkorb zu befüllen, in den Minuten bis zum Sale-Start konstant die Seite neu zu laden, bis die reduzierten Preise angeführt werden, und dann so schnell wie möglich zu bezahlen. Burnout hallo. Und wenn die Website dann doch wieder einmal crasht, war’s auch noch umsonst. Wer danach noch Nerven hat, kann am darauf folgenden Cyber Monday wieder sein Online-Shopping-Glück versuchen.

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Besser, man spart sich den stressbedingten Herzkasperl und das viele Geld. Nicht falsch verstehen: Alle freuen sich über Abverkauf und die Möglichkeit, das eine oder andere Produkt günstiger zu erstehen – besonders wenn es etwas ist, das man sich schon länger anschaffen wollte und das im Haushalt oder im Kleiderkasten echt fehlt. Was uns aber die Marketingabteilungen der Unternehmen zu Black Friday mitteilen wollen ist: „Jetzt kannst du so richtig viel Geld ausgeben, ohne dich schlecht zu fühlen.“ Es ist leicht, von der Hysterie um Top-Angebote mitgerissen zu werden. Es empfiehlt sich, einmal durchzuatmen und nachzudenken, bevor man den Checkout-Button im Online-Warenkorb betätigt. Denn besonders anlässlich Weihnachten kann man sein Erspartes wesentlich besser investieren, als in die dritte Daunenjacke oder das dreißigste Paar Schuhe. Beispielsweise, indem man einen umgekehrten Adventkalender befüllt.

Epilog: Österreichischer Marketing-Albtraum

Von Richard Lugner ist man so manche Unmöglichkeiten gewohnt, aber mit einem Werbesujet zum Black Friday in der Lugner City hat er den Vogel abgeschossen. Darauf ist eine Art Gesichts-Mash-Up von Barack Obama und Lugner zu sehen. Was Obama mit Black Friday zu tun haben soll? Die Verbindung dürfte wohl das Wort black gewesen sein. Eine Entschuldigung gab’s trotz öffentlicher Aufregung keine. Die Kampagne verschwand einfach still und heimlich. Aber das Internet vergisst ja bekanntlich nicht.

Darf’s a bisserl mehr sein? Letzte Woche hat Viki Senf zum Thema Sex-Szenen mit Eltern schauen serviert. Und apropos Weihnachten: Wir haben für euch die schönsten Weihnachtsmärkte Wiens gefunden.

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