Ausgefallene Unternehmungen Wien

Ausgefallene Dinge, die ihr in Wien machen könnt

Freitag, 12. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Ausgefallene Dinge, die ihr in Wien machen könnt

Freitag, 12. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Wien, Wien, nur du allein – kannst manchmal ziemlich schräg und ungewöhnlich sein! Der Hauptstadt der Alpenrepublik wird bekanntlich vieles nachgesagt: Sie ist die lebenswerteste Stadt der Welt, ihre Einheimischen sind grantig und morbid. Und Karl Kraus, Gustav Mahler und einigen anderen wurde sogar folgendes Zitat angedichtet: Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien. Dort passiert alles zehn Jahre später. Dass Wien aber auch ganz schön schräg sein kann, geht daneben etwas unter. Deshalb haben wir hier für euch die ausgefallensten Unternehmungen in der Hauptstadt gesammelt.

von Viktoria Klimpfinger & Julia Wagner

Immer wenn ein freier Samstag kommt, seid ihr schon ganz euphorisch, weil ihr am liebsten tausend Sachen mit eurer Zeit anfangen würdet: einkaufen, essen, ins Museum, Theater, oder doch lieber einen Workshop buchen, und dann auch gleich noch eine Stadtführung dranhängen… Puh, nach dieser geballten Power-Erholung habt ihr euch ein paar Bierchen im Lieblingsbeisel redlich verdient. So viel Freizeitspaß ist einfach nicht zu toppen? Challenge accepted! Wir pimpen euren Feierabend mit Ausgefallenem und ersetzen eure immer gleichen Programmpunkte durch ihre schrägen Cousins und Cousinen.

Ausgefallener Tagesstart im Katzencafé

Erst mal starten wir in unseren ausgefallenen Samstag mit einem gemütlichen Kaffee. Was daran so ausgefallen ist? Wir schlürfen ihn in haariger Gesellschaft. Und damit meinen wir nicht, dass wir unseren Onkel Herbert mit der üppigen Unterarmbehaarung endlich mal wieder ausführen. Nein, wenn unsere felligen Kaffee-Genossen schnurren, machen sie das im Unterschied zu Onkel Herbert nicht schnarchend im Schlaf, sondern bei vollem Bewusstsein. Jetzt dürfte die Katze langsam mal aus dem Sack sein, oder? Im Café Neko im 1. Bezirk sind sogar gleich mehrere Stubentiger los. Während ihr also bei Kaffee, Tee und hausgemachten Kuchen versucht, in die Gänge zu kommen, bringen euch die fünf Kaffeehauskatzen aus dem Wiener Tierschutzhaus in samstägliche Kuschelstimmung. Aber lasst euch ja nicht zu sehr einlullen – wir haben noch einiges vor mit euch!

(c) Café Neko / facebook

See another life

Spätestens seit Facebook und Co. leben die meisten von uns fest in ihrer Bubble. Warum also nicht mal ausbrechen? Das Wiener Start-up Seeanoli bietet eine coole Plattform, einmal einen Schritt aus dem eigenen Dunstkreis raus zu wagen. 130 Gastgeber laden für einen Tag dazu ein, sie in ihrem Alltag zu begleiten, und bieten somit die Möglichkeit, einmal die eigene Perspektive zu wechseln. So hat man die Chance, einen Tag lang einer Filmemacherin, eine Designerin oder aber auch einem Bestatter über die Schulter zu schauen. Eine Unternehmung, die mit Sicherheit in Erinnerung bleibt.

Stilles Dating

Trifft man öfter mal neue Menschen, ist unter ihnen vielleicht sogar der eine oder andere neue Lebensabschnittspartner oder wenigstens ein würdiger End-of-Party-Schmuser. Wenn ihr ein bisschen Abwechslung in euer Dating-Verhalten bringen wollt, dann haltet doch einfach mal den Mund. Nicht gleich ärgern: Das ist nämlich überhaupt nicht böse gemeint, sondern im Wesentlichen die Devise von „Silent Dating“. Hier lernt ihr euch mit Gesten, Blicken, Lachen und Dating-Spielen kennen – mit allem, außer mit dem Mund. Vielleicht wird euer Schweigen ja tatsächlich zu Gold und ihr geht mit der einen oder anderen Telefonnummer nachhause. Also: be still, my love.

Die Bewegungen einer anderen Person zu spiegeln, war eines der Spiele beim Silent-Dating. - (c) Slow Dating Events

Die Bewegungen einer anderen Person zu spiegeln, war eines der Spiele beim Silent-Dating. – (c) Slow Dating Events

Gefälschter Museumsbesuch

Ist der Samstag vernieselt, gehört der eine oder andere Museumsbesuch dazu wie Pablo zu Picasso. Auch hier hat ganz Österreich nicht nur die Klassiker, sondern auch ihre verhaltensauffälligen Verwandten im Angebot. Im morbiden Wien wird’s da natürlich besonders weird, wie etwa im Bestattungsmuseum oder im Kriminalmuseum. Ziemlich außergewöhnlich ist auch das Fälschermuseum im dritten Bezirk. Hier könnt ihr die größten Werke der Kunstgeschichte bewundern – und euch danach blöd vorkommen, weil sie gar nicht echt sind. Gegenüber vom Hundertwasserhaus widmet man sich in diesem in Europa einzigartigen Museum ganz der Kunstfälschung.

Raus aus dem Trott und dem Kontrollraum

Auch wenn ihr weniger die Museumsnerds sondern mehr die Actionsuchtler seid, müsst ihr nicht jeden Samstag am selben Bungee-Seil baumeln. Ebenfalls sehr spannend, wenn auch etwas weniger halsbrecherisch, sind die sogenannten Escape Rooms, die in Wien aus dem Boden sprießen wie Eierschwammerl. Von Rätsel zu Rätsel, von Hinweis zu Hinweis hangelt ihr euch entlang, bis ihr dem abgeschlossenen Setting schließlich entkommt, bevor die Zeit abgelaufen ist. Bei den Time Busters habt ihr etwa 60 Minuten, um aus Tresor, Kontrollraum, Labyrinth oder Bergwerk auszubrechen.

Escape Room in Wien

Weiterbildung am eigenen Leib

Ihr macht in eurer Freizeit auch gerne mal den einen oder anderen Workshop? Streber! Wenn euch euer Excel-Seminar oder der 15. Handlettering-Kurs schon dezent anödet, dann geht doch mal an eure Grenzen… oder Schwellen… ahem. Denn in der Schwelle Wien gibt’s allerhand Workshops für sexuell Experimentierfreudige und Neugierige. Von polyamourösen Beziehungsgruppen bis zum erotischen Schauspiel, von der Fetisch-Nacht bis zum Rauf-Workshop könnt ihr euch und euren Körper von unzähligen neuen Seiten kennenlernen.

Strolling around

Warum nicht die freie Zeit auch mal dafür nutzen, eure Stadt besser kennenzulernen? Dafür müsst ihr euch aber nicht unter die klassischen Touristengruppen schmuggeln, die brav einem Guide folgen, der in ein Headset plärrt und einen bunten Regenschirm zusammengefaltet in die Luft reckt, als würde er einen Touri-Aufstand anzetteln. Besonders in Wien gibt es genug alternative Touren, bei denen sogar der grantigste aller Urwiener noch etwas lernen kann. Space and place bietet etwa immer wieder verrückte Touren an, wie die Vienna Ugly Tours, bei denen sich die österreichische Hauptstadt von ihrer schiechsten Seite zeigen darf. Tourguide Eugene Quinn nimmt seine realen Follower auch gerne mal mit auf olfaktorische Erkundungswalks (Smells Like Wien Spirit), bei denen ihr die Stadt vom Würstelstand bis zur Mannerfabrik nasal erschnüffelt.

Eugene Quinn von space and place führt durch die hässlichen Seiten Wiens.

Von der Bühne auf die Straße

Abends gönnt man sich auch gerne mal Theater. Wir finden ja, dass Wiens Straßen manchmal selbst schon der Asphalt sind, der die verrückte Welt bedeutet. Aber wenn ihr’s noch verrückter wollt, dann bleibt wohl nur die Fusion: Straßentheater! Das Nesterval-Ensemble ist in Wien bekannt für seine skurrilen, manchmal auch gewagten und grenzgängerischen Performances im öffentlichen Raum. Im Mai 2018 besetzten die Schauspieler zum Beispiel für einen Tag den Wiener Karlsplatz. Bei ihren Stücken bindet die Nesterval-Familie ihre Zuschauer aktiv ins Geschehen ein, stellt sie vor Aufgaben und konfrontiert sie mit Identitäten und Erwartungshaltungen. Das neueste Abenteuer „Das Dorf“ startet am 25. Oktober im Brut und lädt das Publikum ein zu einer Dorfhochzeit mit tragischem Ausgang.

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Nesterval's Struwwelpeter darf noch einmal wüten! Und zwar in Villach im Rahmen des Spectrum Festivals! @neuebuehnevillach Noch einmal 25 Stunden volle Nesterval-Ladung! Für Alle, die es in Wien verpasst haben die perfekte Gelegenheit! Und natürlich für Alle, die noch einmal mit uns gemeinsam besetzen, feiern, plaudern wollen! Und wenn du für uns anreist gibt's ein tolles Extra, denn du musst dir keinen extra Schlafplatz sichern – du kannst einfach bei uns im Theater übernachten! Der Eintritt wird frei sein – es wird allerdings Zählkarten geben, die Info dazu folgt. Wir freuen uns schon sehr auf euch! 📸 by @alexandrathompson1 #nestervalsstruwwelpeter #nesterval #nestervaladventures #karlstag #struwwelpeter #punk #punkstyle #stadtkino #igersvienna #igersaustria #villach #neuebuehnevillach #immersivetheatre #adventure #abenteuer #besetzteshaus #punksnotdead #spectrumfestival #theatrephotography

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Essen ohne Licht

Essen müssen wir alle ab und zu. Und das Auge isst bekanntlich mit. Was aber, wenn es beim Essen gar nichts sieht? Angeblich schalten sich im absoluten Dunkel mit der Zeit ja die anderen Sinne stärker ein. Also spielt beim Dinner im Dunkeln im Dialog im Dunkeln der Geschmackssinn unbestritten die erste Geige. Immer Freitag- und Samstagabend gibt’s ein Gläschen Sekt vorab, dann flaniert – oder irrt – ihr eine halbe Stunde durch den stockdunklen Parcours, bevor ihr angeblich ein Vier-Gänge-Menü serviert bekommt. Angeblich deshalb, weil ihr es nicht seht. Aber keine Sorge: Dialog im Dunkeln ist seriös genug, um euch nicht Katzenfutter als Lachsterrine zu verkaufen. Los geht’s um ungefähr 19 Uhr. Am besten ihr meldet euch drei bis vier Wochen vor eurem Wunschtermin an und plant circa drei Stunden ein. Pro Person kostet der Spaß im Dunkeln 84 Euro.

Power of the dark side

Feiern im Wunderland

Ja, wir geben’s zu: Partymachen ist wahrscheinlich eines unserer liebsten Hobbys. Aber nach gut zehn Jahren Feier-Aktivität sind wir auch da langsam in einem gewissen Trott gefangen. Wir steuern immer öfter die immer selben Clubs an. Mit dem Alter kommt eben die Vorsicht: Will man wirklich riskieren, sich einen ganzen Partyabend in einer miesen Location zu versauen? Ja, wir riskieren’s! Immerhin geht es ja hier um ausgefallene Alternativen zum schnarchigen Alltag. Und das Kontrastprogramm zum öden, immer gleichen Club-Schema? Club mit Thema! Ja, das reimt sich. Und schon Pumuckl weiß: Was sich reimt, ist gut. In Wien feiern wir allerdings nicht mit rothaarigen Kobolden, sondern mit Grinsekatzen und Kartensoldaten. Im Club Alice springt ihr aber nicht in einen Kaninchenbau, sondern ins Untergeschoss des Palais Palffy. An das möglicherweise LSD-induzierte Märchen von Lewis Caroll erinnert hier hauptsächlich die Deko: schiefe Wände, schräge Fresken, Gras, das an der Decke wächst, und ein Mainfloor im Kirchen-Style. Bei stabilem Sound von Electro bis Hip Hop könnt ihr den Grad an Realitätsverlust hier selbst bestimmen.

Join the crazy side: Unsere Wiener Geheimnisse verraten euch Dinge über eure Hauptstadt, mit denen ihr nicht gerechnet hättet. Und unsere To Do’s flüstern euch, was ihr hier so alles anstellen könnt.

Facebook-Bild von Paolo Nicolello / Unsplash

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